Wir wollen hier über den Anteil, den Frauen im Häuserkampf in Köln hatten, berichten und die Geschichte aus Frauensicht erzählen. Wir erheben keinen Anspruch auf Wahrheit und Vollständigkeit. Unsere Geschichte ist die Summevieler unterschiedlicher Geschichten.
Die Besetzung der Häuser in der Marien- und Lessingstr. begann im März 1977. Die Umwandlung Ehrenfelds von einem Arbeiterviertel, wo die Fabriken neben den (Fabrik eigenen) Wohnhäusern standen, hatte begonnen. In diesem Prozess zog auch die Mauserfabrik an den Stadtrand: Die ArbeiterInnen sollten mitziehen.
Der Spekulant Franz Kaiser bekam, trotz seines drohenden Bankrotts, mit der Hilfe eines CDU-Stadtrats und Aufsichtsratsmitglieds der Stadtsparkasse einen Kredit für den Erwerb des gesamten Fabrikgeländes samt Werkswohnungen. Seine hochtrabenden Pläne sahen den Abriss des gesamten Areals zwischen Marien-, Lessing- und Thielenstraße vor. Hier wollte er ein Geschäfts- und Wohnhochhaus errichten. Zum Glück ging er Pleite, und eine weitere Bausünde blieb Ehrenfeld erspart. Außerdem zogen nicht alle (ehemaligen) ArbeiterInnen mit der Fabrik.
In dieser Situation begann die SozialistischeSelbsthilfeKöln (SSK) Ehrenfeld mit der Besetzung der Häuser als politische Aktion gegen Zerstörung billigen Wohnraums, gegen Sanierung und Korruption. Begrüßt und unterstützt wurden die Aktiven von den gebliebenen Bewohnerinnen und breiten Teilen der Ehrenfelder Bevölkerung, die Spekulation und Korruption ablehnten.
Die Wohnungen wurden im Kölner Stadtanzeiger und Express als preiswerter Wohnraum, der an Bedürftige abgegeben wird, inseriert. Daraufhin meldeten sich ganz unterschiedliche Menschen, ArbeiterInnen und Arbeitslose, Psychiatriegeschädigte, AkademikerInnen, ArbeitsmigrantInnen, politische Flüchtlinge und StudentInnen. Daraus entstand die `wilde Mischung`, die jahrelang für ihre Politik und Aktionen bei der Stadt, bei Sanierungsbetreibern und Spekulanten gefürchtet war.Wir wollen hier über den Anteil, den Frauen im Häuserkampf in Köln hatten, berichten und die Geschichte aus Frauensicht erzählen. Wir erheben keinen Anspruch auf Wahrheit und Vollständigkeit. Unsere Geschichte ist die Summevieler unterschiedlicher Geschichten.
Die Besetzung der Häuser in der Marien- und Lessingstr. begann im März 1977. Die Umwandlung Ehrenfelds von einem Arbeiterviertel, wo die Fabriken neben den (Fabrik eigenen) Wohnhäusern standen, hatte begonnen. In diesem Prozess zog auch die Mauserfabrik an den Stadtrand: Die ArbeiterInnen sollten mitziehen.
Der Spekulant Franz Kaiser bekam, trotz seines drohenden Bankrotts, mit der Hilfe eines CDU-Stadtrats und Aufsichtsratsmitglieds der Stadtsparkasse einen Kredit für den Erwerb des gesamten Fabrikgeländes samt Werkswohnungen. Seine hochtrabenden Pläne sahen den Abriss des gesamten Areals zwischen Marien-, Lessing- und Thielenstraße vor. Hier wollte er ein Geschäfts- und Wohnhochhaus errichten. Zum Glück ging er Pleite, und eine weitere Bausünde blieb Ehrenfeld erspart. Außerdem zogen nicht alle (ehemaligen) ArbeiterInnen mit der Fabrik.
In dieser Situation begann die SozialistischeSelbsthilfeKöln (SSK) Ehrenfeld mit der Besetzung der Häuser als politische Aktion gegen Zerstörung billigen Wohnraums, gegen Sanierung und Korruption. Begrüßt und unterstützt wurden die Aktiven von den gebliebenen Bewohnerinnen und breiten Teilen der Ehrenfelder Bevölkerung, die Spekulation und Korruption ablehnten.
Die Wohnungen wurden im Kölner Stadtanzeiger und Express als preiswerter Wohnraum, der an Bedürftige abgegeben wird, inseriert. Daraufhin meldeten sich ganz unterschiedliche Menschen, ArbeiterInnen und Arbeitslose, Psychiatriegeschädigte, AkademikerInnen, ArbeitsmigrantInnen, politische Flüchtlinge und StudentInnen. Daraus entstand die `wilde Mischung`, die jahrelang für ihre Politik und Aktionen bei der Stadt, bei Sanierungsbetreibern und Spekulanten gefürchtet war.

Bald nach der Besetzung zogen auch ehemalige Frauenhausbewohnerinnen ein. Gewalt gegen Frauen und Kinder sollte in den Häusern eben so wenig Platz haben wie Rassismus. Männer, die gewalttätig gegen Frauen waren, wurden auf die Straße gesetzt. Auch mit Rassismus unter uns mussten wir uns auseinandersetzen.
Besetzerinnen arbeiteten in den autonomen Frauenhäusern, organisierten vielfältige Aktionen gegen Gewalt gegen Frauen, trainierten selbstorganisiert Selbstverteidigung, gründeten ein feministisches Gesundheitszentrum, eine Frauengruppe gegen Gen- und Reprotechnik, die WenDo Trainerinnengruppe Frau Schmitzz und vieles mehr.
Wir brauchen keinen starken Mann, wir sind selbst stark genug.
Im Dez. 1980 wurde die 2. Frauen WG in den besetzten Häusern in der ansonsten ‚gemischten‘ M 21 gegründet. Sie wurde von einem Teil der BesetzerInnen begrüßt, von anderen bekämpft. In die Politik nach außen flossen allerdings feministische Inhalte ein und niemand vertrat offen antifeministische Positionen.
Die Frauen aus der M 21 hielten nicht nur das ‚eigene‘ Haus in Stand, sondern leisteten einen großen Beitrag zum Erhalt der umliegenden Häuser und unterstützten Neu – Besetzungen in der aufkommenden Häuserbewegung in den 1980er Jahren.
Seit 1988 sind, nach einem Hausversammlungsbeschluss ausschließlich Frauen, viele davon Lesben, in die M 21 eingezogen. Migrantinnen wurden bei der Wohnungs- oder Zimmervergabe bevorzugt. Wir bemühen uns, bei allen Entscheidungen einen Konsens herzustellen.
Die gesellschaftlichen Verhältnisse spiegeln sich auch in unseren Häusern. Rassismus, Sexismus und Lesbenfeindlichkeit gibt es auch unter uns. Wobei der Rassismus nicht immer von weißen Frauen, Sexismus und Lesbenfeindlichkeit nicht nur von Männern ausgeht. Wir mussten lernen, dass wir nicht die besseren Menschen sind, und dass die Realität nicht nur schwarz/weiß ist, sondern viele Zwischentöne hat.
2012 gründeten Hausbewohnerinnen mit Unterstützerinnen den Verein Mieterinnenselbsthilfe M21.

Präambel: Wohnraum verteuert sich in Köln ständig, billiger Wohnraum ist äußerst knapp. Da Frauen wirtschaftlich diskriminiert sind, haben sie besondere Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt. Für alleinerziehende Mütter, Alte und Frauen/Lesben, die in Wohngemeinschaften wohnen wollen, ist es schwierig angemessene und preiswerte Wohnungen zu finden.
Das soziale Umfeld und der Wohnraum sind die zentralen Lebensbereiche. Hier können Frauen Unterstützung und Gemeinschaft, aber auch Gewalt erleben. Deshalb ist es unser Anliegen, Wohnraum zu schaffen, wo Frauen/Lesben selbstbestimmt und ohne die Androhung von Gewalt leben können.
Das Haus Marienstr. 21 wurde 1977 durch Besetzung vor dem Abriss gerettet. Mit Duldung des Eigentümers und für eine geringe Miete wird es seitdem durch hohen persönlichen Einsatz der BewohnerInnen instandgehalten.
Da Frauen in der Hausgemeinschaft seit ihren Anfängen eine tragende Rolle gespielt haben, beschloss die Hausversammlung 1988, dass freiwerdende Wohnungen immer an Frauen vergeben werden sollen. Damit wollen wir einerseits der Benachteiligung von Frauen auf dem Wohnungsmarkt (s.o.) begegnen, und andererseits von Gewalt betroffenen Frauen eine vorübergehend oder längerfristige Wohnmöglichkeit bieten. Dieses Angebot wird von den Frauenberatungsstellen und Frauenhäusern in Köln regelmäßig genutzt.
Auch wenn wir dafür angegriffen werden, auch wenn einige unseren Wunsch nach einem selbstbestimmten FrauenLesbenLeben als nicht mehr Zeit gemäß bezeichnen, geben wir die Idee eines feministische Wohnprojektes nicht auf.
Wir haben immer wieder sehr viel Unterstützung aus unterschiedlichen Zusammenhängen erfahren. Das freut und stärkt uns.
Für das Recht auf Stadt für alle.
Mai 2018 Besetzerinnnen der M 21

Autorin: Trude Menrath