Dass sie jemals zu den wichtigsten Aktivistinnen gegen die Atomenergie und Gründerin der Initiative „Frauen gegen Atom“ sein würde, hätte Zita Termeer sich nicht vorstellen können.

Geboren wurde sie am 8. November 1918 kurz nach dem 1. Weltkrieg und war das vierte Kind ihrer Eltern. Ihre Kindheit war geprägt durch ein sehr einfaches Leben, denn der bescheidene Wohlstand der Eltern mit einem kleinen Haus nebst Garten wurde durch die Inflation in den 20er Jahren und die Arbeitslosigkeit des Vaters stark beeinträchtigt. Um das Zuhause nicht zu verlieren, entschloss sich der Vater, für einige Zeit in die USA auszuwandern.

Schon früh entdeckte Zita ihre Liebe zur Literatur und Poesie. Obwohl der Schulbesuch kostenpflichtig war, konnte sie die „höhere Schule“ besuchen. Ihrer Mutter war es wichtig, dass auch Mädchen eine qualifizierte Ausbildung erhielten, was ihr selbst in jungen Jahren verwehrt war.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Zita überzeugte Jungmädelführerin. Diese Begeisterung endete, als sie sich in ihren Klassenlehrer verliebte. Mit 17 verlobte sie sich, richtete ihr Leben an der Beziehung aus, und alles andere verlor an Bedeutung.

Die Jahre des Zweiten Weltkriegs waren geprägt durch den täglichen Überlebenskampf – wie bei Millionen von Frauen, da ihr Mann als Soldat eingezogen worden war. In dieser Zeit bekam Zita ihre ersten Töchter, ein Kind stirbt mit 14 Monaten. Gegen Ende des Krieges erreichte ihr Mann, dass die Familie aus Bergneustadt nach Schleswig-Holstein umziehen konnte, was ein bisschen mehr Ruhe für die Familie bedeutete.

Auch die Nachkriegszeit war ein täglicher Überlebenskampf. Zitas Mann bekam 1946 eine Planstelle als Lehrer in Neuss, und 1947 erfolgte der Umzug. In den folgenden Jahren bekam Zita Termeer weitere Kinder, sie war nun Mutter von sechs Töchtern.

Frauen gegen Atom (Zita li)
Foto: Kölner Frauengeschichtsverein

Ende der 60er Jahre erreichten Zita Termeer auch die Nachrichten aus der Student:innenbewegung. Die gesellschaftlichen Verhältnisse wurden in Frage gestellt, Fragen nach ihrer Verantwortung im Nationalsozialismus kamen von einigen ihrer Töchter. Die Vergangenheit holte sie ein, und sie begann ihr eigenes Leben zu überprüfen. Schuldgefühle stellten sich ein darüber, so unpolitisch während des Krieges gewesen zu sein.

Zita Termeer beschloss, ihr Leben radikal zu ändern. Ihre Ehe befand sich in einer Krise, scheiterte später. Im Alter von 52 Jahren begann sie ein Studium der Germanistik und Soziologie an der FU Berlin. Die neuen Eindrücke begeisterten sie, ihr politischer Blick wurde geschärft.

Mitte der 70er Jahre erlebte sie die große Kampagne der Frauenbewegung gegen den §218. Dies beeindruckte sie sehr und richtete ihren Blick auf die Situation von Frauen in patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. 1978, im Alter von 59 Jahren und ohne Studienabschluss, ging sie nach Köln: „Dort begann nach Kindheit, Jugend, Ehejahren und meiner zweiten Jugend mit dem Studium meine fünfte Lebensphase – eine politisch aktive Zeit.“ 1 Bald engagierte sie sich im Bürgerzentrum „Alte Feuerwache“ und lernte dort die Frauen der „Demokratischen Fraueninitiative“ (DFI) kennen. Zita und die anderen Frauen wollen ein neues Bewusstsein der Frauenrolle entwickeln.

Geliehener Kombi
Foto: Kölner Frauengeschichtsverein

Im September 1979 fand in Köln die Konferenz „Frauen gegen Atom und Militär“ statt, initiiert von den Frauen der Zeitschrift „Courage“ und Gisela Koschig, der Mitbegründerin des Frauenbuchladens. Diese Veranstaltung beeindruckte Zita sehr, plötzlich hatte sie die Idee, mit einem Anti-Atom-Bus durch Deutschland zu fahren und gegen Atomkraft, AKW´s und Endlager zu demonstrieren. Sie war so überzeugend, dass eine der Frauen spontan begann, Spenden für den Bus zu sammeln.

Zita verließ die DFI und gründete die Gruppe „Frauen gegen Atom“. Es beschäftigte sie die Frage, wie Frauen gegenüber der sogenannten friedlichen Atomenergie Widerstand leisten können. Die erste Aktionsfahrt unternahmen die Frauen Ostern 1980 nach Gorleben zur internationalen Frauendemonstration gegen die Atomgefahr mit dem geliehenen Kombi ihrer Tochter, den die Frauen mit Symbolen der Friedens-, Anti-Atom- und Frauenbewegung beklebten. Damals war ihr größtes Anliegen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen über die Folgen, die sich Atomkraftwerke für Natur und Mensch ergeben.

Ein Jahr nach der ersten Fahrt, inzwischen waren 22 Frauen in der Initiative aktiv, wurde endlich mit Spenden ein kleiner Bus angeschafft. So konnten die Frauen jeden Sommer mehrere Wochen unterwegs sein, um gegen die Atomkraft zu demonstrieren. Darüber hinaus haben die Frauen auch sehr kreativ Anti-Atom-Lieder, Sketche, Gedichte und kleine Theaterstücke aufgeführt.

Maria Mies (li) und Zita Termeer (re)
Bei der Pflanzaktion
Foto: Kölner Frauengeschichtsverein   

Im Oktober 1983 veranstalteten Frauen des Kölner Frauenbündnisses ein Pflanzaktion vor dem Kölner Dom als Zeichen gegen den Rüstungswahn. Federführend waren Zita Termeer und Professorin Maria Mies dabei. Sie pflanzten einen Apfelbaum, einen Rosenstrauch, eine Weinrebe und säten Winterkorn. In einer Rede wies Zita Termeer auf die symbolische Bedeutung hin: „Das Korn sichert unser tägliches Brot, Weinrebe und Rosen sind Ausdruck unserer Befreiung und Menschenwürde, der Apfelbaum steht für den Granatapfelbaum, der in vorpatriarchaler Zeit das Symbol der Fruchtbarkeit und der weiblichen Macht war.“ 2

Diese Aktion wurde vom WDR gezeigt, wodurch eine breite Öffentlichkeit angesprochen werden konnte.

Der GAU des Atomreaktors in Tschernobyl 1986 war für Zita eine Katastrophe und in der Folge zog sie sich aus der Gruppe „Frauen gegen Atom“ zurück.

Im Laufe der folgenden Jahre lernte Zita Menschen kennen, die ihr neue spirituelle Bewegungen, Yoga und Energiekreise näherbrachten. Es entstanden Netzwerke und Zita lernte Menschen aus dem „Zentrum für Lebensenergie“ in Kassel kennen, deren Ideen sie begeisterten, so dass sie nach Kassel zog.

In ihren späten Jahren wollte Zita Vorsorge treffen für ihren Tod. Sie kümmerte sich um einen Platz im Friedwald und gab einen Sarg in einer Schreinerei in Auftrag, der nach ihren Vorstellungen gezimmert wurde. Die Schreiner konnten den Sarg aber nicht aufbewahren und so beschloss Zita, ihn in ihr Schlafzimmer zu stellen. Sie bat ihre Tochter Ulrike, die Künstlerin ist, den Sarg zu bemalen in den Farben Weiss, Schwarz, Silber, Gold und Blau. So stand er hochkant wie eine Skulptur in ihrem Schlafzimmer.

Zita Termeer starb am 10. September 2016 in Kassel.

Autorin: Heike Rentrop

1 s. Stolzenburg S. 197

2 s. Stolzenburg S. 204

Quellen (Auswahl):

  • Kölner Frauengeschichtsverein (Hg.) „10 Uhr pünktlich Gürzenich“. 100 Jahre bewegte Frauen in Köln. Agenda-Verlag Münster 1995.
  • Margit Stolzenburg (Hrsg.): Biografien des 20. Jahrhunderts. Elf europäische Frauen im Interview, Band 12 der Schriftenreihe »Auf der Suche nach der verlorenen Zukunft«, trafo-Verlag Berlin 2001
  • Monika Mengel. WDR 5 Erlebte Geschichten. Sendung vom 10.11.2013
  • Weitere Materialien des Kölner Frauengeschichtsvereins.
  • Fotos: Kölner Frauengeschichtsverein