Die enorme Wertschätzung der Äbtissin Ida, die ihr von der Stadt Köln entgegengebracht wird, lässt sich allein daran ermessen, dass sie bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den nur fünf Frauenfiguren gehörte, die damals den Kölner Rathausturm schmückten. Bei dem 1992 neu angebrachten Standbild Idas handelt es sich um eine Teilrekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg beschädigten Originalstatue von 1900/01.

Ida verdanken wir den Bau von St. Maria im Kapitol in ihrer heutigen Gestalt, die zu den großen romanischen Kirchen der Stadt Köln gehört.

Ida am Ratsturm
Ida am Ratsturm, © Raymond Spekking

Leider sind Idas biografische Daten spärlich gesät. Belegt ist ihre vornehme Herkunft, denn über ihre Mutter Mathilde war sie eine Enkelin Kaiser Ottos II. (reg. 973-983) und seiner aus Byzanz stammenden Gemahlin Theophanu, deren sterbliche Überreste in St. Pantaleon ruhen. Durch seine Einheirat in die kaiserliche Familie erlangte auch Idas Vater Ezzo von Lothringen im Rheinland vorübergehend größere Bedeutung. Das zeigt sich nicht zuletzt an den hohen Ämtern, die Ida und ihre Geschwister innehatten: Ihr Bruder wurde als Hermann II. Erzbischof von Köln (1036-1056)

 und nahm damit eine landesherrliche Stellung ein, ihre Schwester Richeza, deren Grab sich heute im Kölner Dom befindet, avancierte durch Heirat zur Königin von Polen. Die anderen Schwestern wurden – wie Ida selbst – Äbtissinnen bedeutender Damenstifte.

Dass fast alle Töchter von Mathilde und Ezzo ihr Leben hinter Klostermauern verbrachten, hat weniger mit frommer Gesinnung zu tun als vielmehr mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung. Hier lernten sie lesen und schreiben und konnten wesentlich freier und selbstbestimmter agieren, als dies in einer Ehe möglich gewesen wäre.

Ida, deren Geburtsdatum ungeklärt ist, erhielt ihre Erziehung im Stift Gandersheim, bevor sie (irgendwann vor 1048) – vermutlich durch Vermittlung ihres einflussreichen Bruders Heinrich II. – zur Äbtissin von St. Maria im Kapitol ernannt wurde. Fraglich ist, ob es sich zu dieser Zeit noch um ein Benediktinerinnenkloster handelte oder bereits um ein Damenstift. Der Unterschied ist erheblich. Zwar führten sowohl Nonnen als auch Stiftsdamen ein spirituell geprägtes Leben. Doch während beim Eintritt ins Kloster die Gelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam abgelegt werden mussten, genossen die Stiftsdamen größere Freiheiten und konnten das Stift jederzeit wieder verlassen.

Gemeinsam war beiden Lebensmodellen die wichtigste Aufgabe: das Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen. In einem Damenstift, das eine meist hochadlige Familie vor allem aus diesem Grund gestiftet hatte, wurde entsprechend für das Seelenheil der verstorbenen Verwandten gebetet.

Doch für Ida war es gleichermaßen wichtig, Prestige und Erinnerung an ihre Familie zu bewahren. Als probates Mittel dazu eignete sich der Bau einer neuen Kirche, die mit prächtigen Kunstwerken ausgeschmückt wurde.

Und so gab Ida den (Neu)Bau von St. Maria im Kapitol in Auftrag. Es ist durchaus möglich, dass es bereits zuvor eine Saalkirche gegeben hatte, die aber Ende des 9. Jahrhunderts von den Normannen, die bei ihren Raubzügen auch bis Köln vordrangen, zerstört wurde. Nun aber entstand in den nächsten Jahren eine frühromanische Kirche mit (damals noch) dreitürmigem Westbau und einem Kleeblatt- oder Dreikonchenchor (vom griechischen Wort für Muschel) nach dem Vorbild der Geburtskirche in Bethlehem.

Zur Weihe des Kreuzaltars und des Längsschiffs im Jahr 1049 waren neben Idas Bruder, Erzbischof Hermann II., auch Papst Leo IX., Kaiser Heinrich III. sowie 72 Bischöfe anwesend. Möglicherweise stiftete Erzbischof Hermann II. zu diesem Anlass ein Reliquienkreuz, auf dem er selbst und seine Schwester Ida betend dargestellt sind. Dieses sogenannte Hermann-Ida-Kreuz befindet sich heute im Kölner Diözesanmuseum Kolumba.

Idas Grab in St. Maria im Kapitol
Idas Grab in St. Maria im Kapitol, © Joachim Schaefer Ökumenisches Heiligenlexikon

Unklar ist, ob es Ida war, die der Kirche die imposante Holzflügeltür mit der Darstellung der Lebensgeschichte Christi gestiftet hat, ein bedeutendes Zeichen mittelalterlicher Schnitzkunst. Sie zeigt die wichtigsten Stationen Jesu, angefangen von der Verkündigung an Maria bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes.

Die Schlussweihe „ihrer“ Kirche 1065 hat Äbtissin Ida nicht mehr erlebt. Sie starb vermutlich im April 1060 und wurde in der Krypta von St. Maria im Kapitol beigesetzt.

Nachdem das Damenstift, dem Ida viele Jahre lang als Äbtissin vorgestanden hat, im Zuge der Säkularisierung 1792 aufgelöst wurde, haben die Bomben des Zweiten Weltkriegs die Kirche St. Maria im Kapitol in Schutt und Asche gelegt. Sie konnte jedoch bis 1985 weitgehend originalgetreu rekonstruiert werden, eine steinerne Erinnerung an Äbtissin Ida.

Autorin: Karin Feuerstein-Prasser

Quellen

  • Breukers, Klaus Gereon, Die Ezzonen und ihre Stiftungen. Eine Untersuchung zur Stiftungstätigkeit im 11. Jahrhundert, Münster/Hamburg 1993
  • Franken, Irene, Frauen in Köln, Der historische Stadtführer, Bachem Verlag Köln 2008
  • Kier, Hiltrud, Die romanischen Kirchen in Köln, Köln 2014
  • Surmann, Ulrike, Das Kreuz Herimanns und Idas, Köln 1999