WenDo heißt „Weg der Frauen“ und ist ein feministisches Konzept zur Gewaltprävention. Es geht um ganzheitliche und alltagstaugliche Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Frauen und Mädchen und wird von Frauen unterrichtet. In den späten 1970er Jahren in Kanada von Feministinnen entwickelt, bildeten sie die ersten Trainerinnen in Europa und Indien aus. 

WenDo ist politisch und Frauen-parteilich und will Gewalt gegen Frauen beenden!

Die ersten WenDo Kurse in Köln wurden in den frühen 1980er Jahren von Margot Avant im Frauenzentrum in der Eifelstraße gegeben. Zwischen 1984 und 1987 gab Terri Fredlund aus Kalifornien zahlreiche Kurse in Köln und Umgebung. Sie ermunterte Teilnehmerinnen, selbstorganisiert weiter zu trainieren, Trainings mit anderen Trainerinnen zu organisieren und ein Trainerinnenkollektiv zu gründen.

Dies realisierten zehn Frauen und Lesben in Köln ab 1988. Zu den Gründungsfrauen gehörten Doris Laskowski, Trude Menrath, Gaby Naumann, Sabine Müller, Esther Romahn und Maria Spahn.

Seit dieser Zeit geben wir WenDo Kurse in Köln und Umgebung. Im Lauf der Jahre gab es verschiedene personelle Veränderungen in der Gruppe. Sabine Müller und Maria Spahn bildeten 1996 ein eigenes Trainerinnen-Team und widmeten sich insbesondere dem Schwerpunkt „Fortbildungen zum Thema sexualisierte Gewalt“ für Multiplikatorinnen verschiedener Berufsgruppen, Einrichtungen und Beratungsstellen. Die beiden wurden bereits im Juni 1990 von Frauen aus der ehemaligen DDR nach Dresden eingeladen und gaben dort einen ersten selbstorganisierten Kurs. Der Austausch begann. Daraus haben sich, von Dresden ausgehend, eigenständige Strukturen entwickelt, die bald Teil des bundesweiten Netzwerks wurden.

Sechs Gründungsfrauen von Frau Schmitzz

    Zum Austausch und zur eigenen Weiterbildung haben wir mit auswärtigen Trainerinnen immer wieder Trainings zu unterschiedlichen Schwerpunkten organisiert. So entwickeln wir das WenDo Konzept weiter.

In unseren Kursen sind Frauen, Mädchen, Lesben unabhängig von Alter, sozialer Herkunft, kultureller Prägung, körperlicher und geistiger Verfasstheit, Betroffenheit von Gewalt mit und ohne Migrationserfahrung herzlich willkommen. Deshalb heißt unsere Gruppe „Frau Schmitzz“, so typisch alltäglich rheinisch und signalisiert, dass die Kurse für jede Frau und jedes Mädchen zugänglich sind. Das zweite „z“ steht für die besondere Schärfe gegen Männergewalt und drückt die Besonderheit von WenDo und der Gruppe aus.

In den Kursen werden Strategien ausprobiert, mit allen möglichen Formen von Diskriminierung, An- und Übergriffen, die Frauen und Mädchen im Alltag erleben – sei es in der familiären Umgebung, im Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz, in Schulen, Universitäten und Ausbildungsverhältnissen oder auf der Straße – umzugehen.

Wir wollen, dass jede Frau und jedes Mädchen sich wehren kann!

Der gesellschaftliche Hintergrund, der Gewalt an Frauen zulässt, wird problematisiert. Dadurch erkennen die Teilnehmerinnen, dass ihre Erfahrungen keine Einzelfälle sind und können sich mit anderen solidarisieren und organisieren. WenDo ist nicht zuletzt Heilungsarbeit, indem es Wege aus erlebter Ohnmacht eröffnet.

WenDo im Frauenzentrum Eifelstr. 33

Unsere Arbeit ist nachhaltig. Hier einige Stimmen der Teilnehmerinnen aus dem Spezialkurs für Überlebende:

  • „Mit Ihrem SV-Kurs konnte ich eine weitere Phase meiner Heilung starten und mein Selbstvertrauen so weit stärken, dass ich jetzt deutlich selbstbewusster durchs Leben gehe.“
  • „Als ich das Brett durchgeschlagen habe, das war so ein krasses Gefühl. Zu sehen und zu spüren, was für eine Kraft in mir steckt.“
  • „Durch den Kurs fühle ich mich stärker, ich kann Situationen im Alltag besser einschätzen, und ich habe gelernt, meiner Wahrnehmung zu trauen.“
  • „Der Kurs hat mir so viel positive Bestärkung gegeben, das kannte ich vorher nicht. Darf ich nochmal teilnehmen?“
  • „1,5 Stunden pro Woche eine Nische zum Sein-Dürfen in einer wohlwollenden Atmosphäre. Und es fühlt sich so beschützt an da. Und bestärkend. Ich nehme so viel mit aus diesem Kurs, mehr als aus allen Therapien bisher.“

Unsere Kompetenz beruht auf langjähriger Berufserfahrung, Aus- und Fortbildung sowie Austausch und Zusammenarbeit mit anderen WenDo Trainerinnen bundesweit und international.

Zwischen 1991 und 1993 absolvierten wir z.B. eine Weiterbildung bei Lydia Zijdel aus Amsterdam, die Selbstverteidigungslehrerin, querschnittsgelähmt, Akido und Karatemeisterin ist, zum Thema „Selbstverteidigung für Frauen mit Behinderungen.“ Seitdem bieten wir auch spezielle Kurse für Frauen und Mädchen mit Behinderungen an.

Unsere Herzensangelegenheit ist es, WenDo Kurse für Frauen mit Behinderungen, Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen, sowie Überlebende von (sexualisierter) Gewalt und gesellschaftlich ausgegrenzte Frauen anzubieten und das WenDo Konzept international zu verbreiten. Dafür stellen wir Förderanträge, arbeiten z.T. unbezahlt und unterstützen bei der Suche nach Sponsorinnen.

WenDo mit Lydia Zijdel

 Wir unterhalten bewusst keine eigenen Trainingsräume, weil wir dort unterrichten wollen, wo Mädchen und Frauen leben, arbeiten, oder zur Schule gehen.

Wir freuen uns besonders über gelungene Kooperationen und feste Zusammenarbeit in Köln und international; z.B. mit agisra, Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, Interkultureller Dienst der Stadt Köln und mit dem Notruf für vergewaltigte Frauen.

1995 und 1997 haben wir uns mit autonomen Frauengruppen in Istanbul getroffen. Heute gibt es ein lebendiges WenDo Netzwerk in der Türkei, und wir können uns auf internationalen Treffen mit den dortigen Trainerinnen austauschen.

Seit 1998 bieten wir in Kooperation mit autonomen Frauenprojekten in Brasilien WenDo Kurse an. Auch dort organisierten Teilnehmerinnnen in Folge ein WenDo Netzwerk. 2003 und 2009 luden wir insgesamt neun Frauen dieses Netzwerks aus unterschiedlichen Regionen Brasiliens nach Europa ein, damit sie hier an internationalen Treffen und Trainings in verschiedenen Ländern teilnehmen konnten. Von den Brasilianerinnen erhielten die europäischen Trainerinnen im Gegenzug neue Impulse für den Umgang mit Rassismus und diskriminierenden Erfahrungen in einer multikulturellen Gesellschaft.

2000 waren wir Initiatorinnen des transkulturellen Zusammenschlusses von Kölner feministischen und autonomen Frauengruppen und – projekten. Daraus entstand das Bündnis „Lila in Köln“. Wir entwickeln Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen gegen Gewalt gegen Frauen. Dazu gehören Veranstaltungen zum 8. März und der Protestmarsch zum internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen. 

Seit 2017 ist Frau Schmitzz ein eingetragener Verein.

Im Moment besteht die Trainerinnengruppe aus sechs aktiven Frauen, und es findet ein Generationenwechsel statt.

Autorin: Trude Menrath