Das alte Brauhaus Päffgen in der Friesenstraße ist wohl allen Kölnerinnen und Kölnern ein Begriff. In rustikalem Ambiente genießt man typische rheinländische Spezialitäten und trinkt dazu ein hauseigenes Kölsch vom Fass. Dass das Traditionshaus, seit 1884 in der Friesenstraße beheimatet, noch heute floriert, ist nicht zuletzt Anna Päffgen zu verdanken. Sie packte nicht nur mit an, um die Brauerei nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wieder aufzubauen, sondern leitete das Unternehmen nach dem Tod ihres Ehemanns Hermann Päffgen erfolgreich, bis sie selbst im Alter von 80 Jahren starb.
Ein Brauhaus zu führen, wäre der jungen Anna Kreusch früher wohl nie in den Sinn gekommen. Geboren am 11. Juli 1911 in Heinsberg, begann sie nach dem Abitur ein Lehramtsstudium, um ihren langgehegten Berufswunsch zu verwirklichen. Doch daraus wurde nichts, denn vorher lernte sie den achtzehn Jahre älteren Hermann Päffgen (1893-1980) aus der alteingesessenen Kölner Brauereifamilie kennen. Die beiden heirateten 1934. Anscheinend stand von vorneherein fest, dass sie das Brauhaus in der Friesenstraße später einmal gemeinsam führen würden. Denn auch das hatte bei den Päffgens Tradition. Nach dem Tod des Firmengründers Hermann Päffgen (1850-1908) hatte dessen Witwe Wilhelmine das Unternehmen weitergeführt, bis ihre Söhne Ludwig und Hermann II. 1934 die Brauerei übernehmen konnten. Zunächst freilich blieb Anna nur wenig Zeit, sich um den Betrieb zu kümmern, denn in den nächsten Jahren brachte sie acht Kinder zur Welt. Und dann machte der Zweite Weltkrieg ohnehin alles zunichte. Am Ende lag auch das Brauhaus in der Friesenstraße in Schutt und Asche, und die Päffgens standen von den Trümmern ihrer Existenz. Dass der Wiederaufbau recht zügig voranging, war nicht zuletzt Anna zu verdanken. Mit Unterstützung ihres Vaters, damals Bürgermeister von Beuel, gelang es ihr, das nötige Baumaterial zu organisieren. Zwei Jahre lang packte die ganze Familie kräftig mit an, und am 7. April 1949 öffnete das „Päffgen“ wieder seine Pforten, als eines der ersten Kölner Brauhäuser überhaupt. Es dauerte zwar eine Weile, bis der Betrieb wieder lief, aber nach und nach kamen immer mehr Gäste.

Anna Päffgen hatte ihre Qualitäten als fähige Geschäftsfrau bereits unter Beweis gestellt, als ihr Schwager Ludwig 1954 starb. Jetzt stieg sie an der Seite ihres Ehemanns Hermann voll ins Geschäft ein. Zehn Jahre später trat ihr 1937 geborener Sohn Hermann (III.) in das Unternehmen ein, um es später in dritter Generation zu führen. Doch mit nur 33 Jahren erlag er 1970 einer schweren Krankheit. Nach dem Tod ihres Mannes am 15. September 1980 leitete Anna Päffgen, unterstützt von weiteren Familienmitgliedern, das Brauhaus, bis sie am 12. März 1992 selbst starb. Im Familiengrab auf dem Kölner Melatenfriedhof fand sie ihre letzte Ruhestätte.
Autorin: Karin Feuerstein-Prasser

Quelle:
Material Kölner Frauengeschichtsverein
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