Der Beginn

Carmen Thomas absolvierte ein Studium der Germanistik und Anglistik. Ab1968 gehörte sie zu den ersten WDR-2-Reporterinnen und -Moderatorinnen im „Morgen-Magazin“, die Manuskript-frei live reden „durften“. Das war damals ein Ausnahme-Privileg – wenn auch in der Abteilung Politik zunächst unter der Maßgabe einer Doppelmoderation von Männern und Frauen. Hingegen sorgte der Chef des Mittags-Magazins im WDR Hörfunk bis zu seiner Pensionierung 1984 dafür, dass Frauen keine (Einzel-)Moderationen durchführen durften. Seine Begründung: dass „die dazu unfähig sind“. Auch im Fernsehen bei der Sendung „hier und heute“ gab es bis 1969 10 Jahre Frauen-Verbot, bis Carmen Thomas neue Reporterin wurde. 

Die unerschrockene Redakteurin

Carmen Thomas moderiert das Aktuelle Sportstudio im ZDF
Carmen Thomas moderierte als erste Frau das Aktuelle Sportstudio im ZDF, © imago Sportfotodienst/Sven Simon

1972 bekam sie einen Jahresvertrag beim BBC-TV, und 1973 wurde sie die erste Moderatorin einer Sport-Sendung im Deutschen Fernsehen. Sie moderierte das Aktuelle Sportstudio im ZDF samstagabends, damals zu bester Sendezeit gleich nach den Unterhaltungsshows. Unvergessen blieb der von ihr selbst in der zweiten Sendung aufgedeckte Vorabverriss dieser Sendung in der ‚Bild am Sonntag mit dem Kommentar:  „Sie brauchen heute nicht zu gucken, weil eine große deutsche Zeitung schon weiß, wie ich heute sein werde.“  Ihr Versprecher „Schalke 05“ veranlasste die Springer-Presse 18 Tage nach dem Versprecher auf Seite 1 zu der Behauptung, ihr sei deswegen der Vertrag gekündigt worden. Tatsächlich hat sie noch weitere eineinhalb Jahre lang insgesamt fünfzehn ZDF-Sportstudio-Sendungen moderiert. Hintergründe dazu werden im FAZ-Artikel vom 2.1.2023 unter  https://t1p.de/i3zjx beleuchtet.


1974 übernahm Carmen Thomas die Redaktions-Leitung plus Moderation von WDR „Hallo Ü-Wagen“, der ersten Mitmach-Sendung im Rundfunk. Jeden Donnerstag tourte sie durch NRW, auf den Tag genau von Dezember 1974 bis zum Dezember 1994 fast tausendmal. Die Ü-Orte passten stets genau zu den – vom Publikum selbst angeregten – Themen. Alle Themen – 20 Jahre auf 1 Blick – sind zu finden unter https://t1p.de/cbv76 .

Carmen Thomas bei der Sendung ‚Hallo Ü-Wagen‘ 1976
Carmen Thomas bei der Sendung ‚Hallo Ü-Wagen‘ 1976. Das Foto illustriert das im Interview beschriebene „Stoff-an-Stoff-Setting“, © Moderationsakademie


Die Herausforderung bestand bei diesem Format darin, ein Live-Publikum von 8 bis 6.000 Personen mitzunehmen und den Gesprächspartner*innen die Angst zu nehmen, damit sie frei und unbefangen sprechen konnten. Thomas entwickelte dafür das „Stoff-an-Stoff-setting“ (s. Foto). Das schaffte eine fast unmerkliche Berührung mit ihren Gesprächspartner*innen. Zitat: „Es ist nur die ganz leichte Berührung der Stoffe. Die Menschen, die zu mir kamen, fanden so Sicherheit durch Nähe. Und ich selbst konnte dann auch nicht mehr zittern. Denn die kuschelten sich ja an.“

Das Mitmachen wurde ihr Markenzeichen. Ab 1989 leitete sie die WDR-Programmgruppe ‚Forum für Mitmach-Sendungen‘ mit 5 wöchentlichen Live-Mitmach-Sendungen, einem Mitmach-Zentrum am Kölner Dom an 365 Tagen von 9-19 Uhr geöffnet plus Mitmach-Informerinnen in 17 NRW-Städten und einer Mitmach-Zeitung.

Fortbildungen und Coaching

Die ersten Kommunikationsstrategien brachte Carmen Thomas sich als Pionierin selbst bei. Dann suchte sie Ausbilder*innen und nahm über zwanzig Jahre an Fortbildungen zu Kommunikation teil, u.a. bei Ruth Cohn und Carl Rogers.

Ab 1976 entwickelte sie das Konzept der „sich-selbst-moderierenden Gruppe“. Die erste leitete sie selbst ein halbes Jahr und wurde danach 6 Jahre lang wöchentlich 2 Stunden Mitglied. Das Erstaunliche: Bis heute ist der Kontakt in der Gruppe nicht abgebrochen, bröckelfrei. Das Modell bot und bietet zahlreichen Gruppen Gründungs- und Stabilitäts-Hilfe durch das dokumentierende erste MitmachBuch: „Die Hausfrauengruppe – oder wie 11 Frauen sich selber helfen“ (1). Nach Abschluss der ehrenamtlichen Hausfrauengruppe wurde das Modell: „Drinnen üben – draußen können“ für eigenen zweite Standbeine geboren: 10 Jahre, 15 Gruppen 30 Abende à zwei Stunden in professionalisierender Kommunikation trainieren. Und nach einer Supervisions-Ausbildung führt sie seit 1980 Coaching von Tops und Teams aus allen Branchen und auch aus dem Ehrenamt durch.

Logo ModerationsAkademie für Medien und Wirtschaft Carmen Thomas
© 1, ModerationsAkademie für Medien und Wirtschaft Carmen Thomas

1998 gründete sie die 1. Moderations-Akademie für Medien und Wirtschaft, die sie bis heute leitet. Durch methodisches Sharing und systematisches Mitmachen wird praktisch erfahrbar, wie bisherige gewonnene Erkenntnisse für Beruf und Alltag, auch für Moderation und Coaching ungewöhnlich handfest nutzbar sind, egal wo. Ganz einfache Tools gestalten den Change-Prozess, z.B. das Setting, welche Person sitzt wo, wie und worauf. Eine Smile-CD zum Gruppen-Klären in 10 Sekunden. Ein 1-Minuten-Timer zum Ideen erzeugen mit Allen. (2)      

Publikationen

Carmen Thomas hat 16 Bücher veröffentlicht, darunter einen Millionenseller (3). In zahlreichen YouTube-Beiträgen informiert sie zum Thema „Change-Kommunikation“ und zeigt Dokumentationen von (TV-)Auftritten.

Carmen Thomas reloaded 5.0“

Seit der Pandemie hat Carmen Thomas als neuen Schwerpunkt virtuelle und hybride Mitmach-Foren und -Ateliers 5.0 entwickelt, sowohl analog als auch virtuell.

Carmen Thomas
© Grücha Schmitz

Engagement

1975 engagierte Carmen Thomas sich bei der Gründung der Tagesklinik Alteburger Straße in Köln und war fünf Jahre lang im Vorstand.
Heute hat Carmen Thomas zahlreiche Ehrenämter und ist Jury-Mitglied bei diversen Preisverleihungen. 

Zum Weiterlesen und -hören

Autorinnen: Carmen Thomas, Maria Beckermann

Quellen

  1. Thomas, Carmen, Die Hausfrauengruppe oder wie 11 Frauen sich selber helfen, rororo 1978 und 1986
  2. Thomas, Carmen, Reaktanz-Blindwiderstand erkennen und umnutzen, 2020 Adeo-Verlag
  3. Thomas, Carmen, Ein ganz besonderer Saft – Urin, Erstauflage 1993, Aktuelle Auflage von 2014 bei dem Aurum in Kamphause Media GmbH