Entwicklungsgeschichte, Hintergründe

„Assata im Hof“ ist ein feministischer, selbstorganisierter und nicht kommerzieller Raum für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre und trans Personen (FLINT). Er ist Teil des Wohn- und Selbsthilfeprojekts KAT18 in der Kölner Südstadt. 2015 haben wir, eine Gruppe autonomer FrauenLesben, eine ehemalige Werkstatt im KAT18 übernommen und renoviert, um sie zusammen mit anderen FLINT zu nutzen.

Benannt haben wir den Ort nach der Schwarzen Aktivistin Assata Shakur. Sie hat als Mitglied der Black Panther Party und der Black Liberation Army in den USA für die Rechte der Schwarzen Bevölkerung gekämpft. Nachdem sie viele Jahre inhaftiert war, gelang ihr die Flucht, und sie lebt heute im Exil auf Kuba. Wir haben uns für den Namen entschieden, um diese revolutionäre Feministin, die als erste Frau auf der FBI-Liste der meistgesuchten Terrorist*innen steht, stärker ins Bewusstsein zu holen, sie sichtbarer zu machen und uns mit ihr solidarisch zu zeigen.

Seit der Eröffnung hat sich „Assata im Hof“ zu einem Ort vielfältiger feministischer Aktivitäten in Köln entwickelt. Besonders wichtig war der Raum für uns nach der Kölner Silvesternacht 2015. Die Vereinnahmung der Vorkommnisse durch reaktionäre und rassistische Akteure machte uns wütend. Wir nutzten den Raum, um Vollversammlungen abzuhalten und selbst gegen die Hetze aktiv zu werden.

Seither ist die feministische Vollversammlung, in der Einzelpersonen und Gruppen organisiert sind, fester Bestandteil der feministischen Vernetzung in Köln. Regelmäßig treffen sich zudem einzelne Gruppen in dem Raum, die zu den unterschiedlichsten Themen arbeiten, zum Beispiel zur Vernetzung für FLINT oder Women* of Color sowie zu trans*-/inter*-/genderqueer Politics und Kultur in Köln. Darüber hinaus finden in unserem Raum:

  • Diskussionsveranstaltungen,
  • Workshops,
  • Aktionstage,
  • Vernetzungstreffen,
  • Vorträge,
  • Lesungen und
  • Filmvorführungen

statt. Meist geht es dabei um feministische, kapitalismus- und rassismuskritische Themen.

Assata im Hof
© Assata im Hof

Ab Ende 2019 war „Assata im Hof“ von Verdrängung bedroht: Unsere Vermieterin, die LEG Immobilien AG hatte uns zum 30. September 2019 unseren Raum ohne Angabe von Gründen gekündigt. Nach monatelangem, zähem Ringen mit der LEG schafften wir es, uns einen neuen Mietvertrag zu erkämpfen. Dieser gilt seit dem 1. September 2020 und wird über 20 Jahre laufen. Auf unseren Druck hin übernimmt die Stadt Köln einen Teil der gestiegenen Mietkosten, der Rest wird nach wie vor kollektiv finanziert.

Erfolgsmeldungen im Kampf um Räume und gegen Immobilienunternehmen sind leider viel zu selten. In unserem Fall brauchte es eine schlagkräftige Organisierung, lautstarken Widerstand, mühseliges Netzwerken mit der Lokalpolitik und nicht zu vergessen einen langen Atem. Aufgrund unseres Widerstandes und durch viel­fältige Aktionen gemeinsam mit zahlreichen Unterstützer*innen sind queerfeministische Kämpfe und Perspektiven in der Stadt weiter sichtbar. Wir freuen uns besonders, dass unser Kampf auch dazu geführt hat, dass es noch einen weiteren queerfeministischen Raum in Köln gib: Das [ku:] – Raum für queerfeministische Dominanz – ist in die Bayenstraße in der Südstadt eingezogen.

Generell müssen unkommerzielle, emanzipatorische Freiräume in dieser Stadt immer wieder um ihr Überleben kämpfen – und das kostet viel Energie. Aber diese Räume brauchen wir, um eine feministische, antirassistische, grenzenlos solidarische Zukunft zu gestalten.

Bedeutung des Projekts

„Assata im Hof“ ist einer der sehr wenigen, wenn nicht gar der einzige, Ort für ausschließlich FLINT in Köln. Es ist ein feministischer Ort, in dem diskutiert und erzählt wird, der uns stärkt in dieser patriarchalen Welt und uns in aller Verschiedenheit über Grenzen hinweg handlungsfähig werden lässt.

Kontakt

assata-im-hof@posteo.de

twitter.com/AssataIm