Ich, MAF Räderscheidt, wurde am 20. Juni 1952 in Augsburg geboren, einem beruflichen Aufenthalt meines Vaters geschuldet, der mich schon als Kleinstkind mit in die Augsburger Puppenkiste zur Arbeit mitzunehmen pflegte. Dennoch sind wir eine Kölner Familie, den Färberbächen entstammend. Der Urgroßvater, Ohm Will Räderscheidt, war nicht nur Gymnasialdirektor, sondern schrieb auch Geschichten, Lieder und Gedichte sowie für das „Kölsch Hänneschen Theater“. Meine Großmutter Marta Hegemann, in deren Atelier ich später heranwuchs, hatte mit ihrem Mann Anton Räderscheidt die damalige Kölner Kunstszene kräftig inspiriert, vom Hildeboldplatz aus zum Dada bis zur neuen Sachlichkeit. Ihre Freundin Angelika Hoerle sollte meine Mitnamensgeberin und ständige Mahnung werden, niemals aufzugeben für die freie Malerei zu kämpfen.

Portrait MAF Räderscheidt
© MAF Räderscheidt

Den Versuchen, mich in der altehrwürdigen Benziger Buchhandlung zu einem braven Lehrmädchen als Sortimentsbuchhändlerin zu formen, entkam ich durch das Kölner Opernhaus. Die Schrecken von Multimediaopern ließen meine Eltern doch noch nachgeben, einem Kunststudium zuzustimmen. Studienplatz und Aufnahmeprüfung waren das eine, das andere war der Augenblick der Erkenntnis, dass es keineswegs unwichtig war, in welchem Geschlecht ich zu Hause war.

Die ersten Jahre konnte ich noch in Deckung arbeiten. Sexuelle Belästigungen oder die unliebsame weibliche Konkurrenz wegzuloben waren genauso normal wie das „Kindchen, das verstehst du sowieso nicht“. So war ich schließlich erleichtert, mich mit anderen Meisterschüler*innen gemeinsam zur Gruppe „Das freudige Ereignis“ zusammenzuschließen, um Performances, Ausstellungen und Aktionen durchzuführen. Einmal hellhörig geworden, bemerkte ich, dass mir meine hervorragenden Abschlussnoten nicht weiterhalfen, wenn etwa ein bedeutender Galerist feststellte, dass ich leider nur eine Frau war. Obwohl ich gut im Kunstgeschäft mit kleinformatiger Graphik unterwegs war, schwenkte ich zur Enttäuschung von Galeristen und Sammlern auf großformatige Arbeiten und Videos um. Zum Beispiel in Basel auf der Art rief die Installation „Sexuelle Sensibilitäten leben in Spinnennetzen und Glashäusern“ oder in Köln die kämpfende „Michelangela“ viel Aufmerksamkeit hervor. Heute noch erreichen mich Briefe von den Kölner Verkehrs-Betrieben zum Thema Hausverbot, das ich dort in den 1980er Jahren erhalten hatte, nach der Ausstellung und Performance „Eine Frau in der U-Bahn ist eine Maus in der Falle“. Später fiel die Fernsehgalerie „Rheingalerie“ auf einem Kölner Privatsender trotz hoher Quoten der Zensur durch Kardinal Meissner zum Opfer.

Nachdem ich im Laufe der Zeit meinen Ruf als Bürgerschreck in Köln ausgereizt hatte, wozu natürlich ein frühes Coming out und das Engagement für Frauenthemen ebenso kulturpolitisch zählte, wie die erste Rheinwasserfahrt mit Beuys, bin ich über Venedig endlich im Kölner Umland sesshaft geworden.

Letztlich bin ich in der Nordeifel gelandet, hier lange als Dozentin der internationalen Kunstakademie Heimbach aktiv oder als Schriftstellerin, aber immer und vor allem als Malerin. Ich lebe mit Stephan Everling und meinen Tieren mit nicht weniger Engagement und Kampflust als Kölnerin in Schleiden, wo ich viele Jahre den „Kulturschock“ betrieb, ein Kunsthaus, auch zur Förderung junger Künstlerinnen; im Stadtrat versuchte ich, schlafende Geister zu wecken und betreibe schließlich heute eine Produzentengalerie „Die Küsse der Farben“. Dazu veröffentliche ich in meinem Podcast „Buntes Blut“ Geschichten über das Abenteuer der Freien Kunst und die Schicksale der Künstler*innen, die ihr ihr Leben widmeten.

Mein Lieblingspreis: Konejungpreis 2018
Mein wichtigstes Buch: Die Küsse der Farben, Roman im Eifelbildverlag

Autobiografie

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