Dass sich eine poetische Ader durchaus mit unternehmerischen Qualitäten vereinbaren lässt, hat schon William Shakespeare (1564-1616) bewiesen. Als gewiefter Geschäftsmann häufte er im Laufe der Zeit ein Vermögen an.

Auch Marierose Steinbüchel-Fuchs, die zunächst im Bereich der Fürsorge tätig gewesen war, machte sich schon bald als Journalistin und Schriftstellerin einen Namen. Daher staunte man nicht schlecht, als die 35-Jährige mit dem Erbe ihres Vaters die Kölner Wach- und Schließgesellschaft kaufte und das Unternehmen zu einem erfolgreichen Betrieb für Sicherheitsleistungen ausbaute.

Geboren wurde Marierose Fuchs am 27. Mai 1898 in Berlin, wo ihr Vater mit großem Erfolg Delikatessen und Kolonialwaren vertrieb. Doch noch zeigte sie keinerlei Unternehmergeist. Stattdessen machte die überzeugte Katholikin eine Ausbildung an der Sozialen Frauenschule in Berlin und erlernte den Beruf der Fürsorgerin. Zwischen 1921 und 1928 war sie ehrenamtlich für den Priester Carl Sonnenschein (1876-1929) tätig, dessen soziales Engagement sie zutiefst beeindruckte.

Im großen Freundes- und Bekanntenkreis des Priesters lernte Marierose Fuchs zahlreiche Menschen, darunter auch bekannte Persönlichkeiten wie die Lyrikerin Else-Lasker-Schüler, kennen. Der Kontakt zu verschiedenen Dichterinnen und Dichtern inspirierte sie vermutlich dazu, selbst zur Feder zu greifen. 1925 begann sie, regelmäßig für Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben: „Eigentlich über alles“, sagte sie im Rückblick: Buchkritiken, Berichte über soziale Ereignisse und Veranstaltungen, schließlich auch literarische Essays und zahlreiche Gedichte. Nach den Wurzeln ihres Schaffens befragt, nannte sie ihre tiefe Religiosität.

Bildmaterial: Frauengeschichtsverein

Entsprechend wählte sie ihre Auftraggeber, darunter die einflussreiche katholische Tageszeitung „Germania“ oder die katholische Monatsschrift „Hochland“. Gleichzeitig führte sie einen umfangreichen Briefwechsel mit anderen Autorinnen und Autoren. Einer von ihnen war der Schriftsteller Kurt Tucholsky. Nachdem Marierose Fuchs dessen Buch „Mit 5 PS“ gelesen hatte, warf sie ihm „einen erschreckenden Mangel an Ehrfurcht vor trennender Überzeugung“ vor, also Feindlichkeit gegenüber Katholiken.

Nachdem Tucholsky 1930 in der Zeitschrift „Weltbühne“ mit dem „Brief an eine Katholikin“ auf die Vorwürfe reagiert hatte, entstand daraus eine zweijährige Korrespondenz zwischen den beiden. In dieser Zeit entwickelte sich ein vertrautes Verhältnis, das so weit ging, dass Marierose Fuchs dem Schriftsteller ihr Herz ausschüttete und offen von inneren Zweifeln und sogar Liebeskummer sprach. Tucholsky erwies sich als höchst einfühlsamer Briefpartner: „Aber wie Ihnen aus der Einsamkeit helfen?“ rätselte er und fand, dass sie wohl zu sehr dazu neigte, sich in die Religion zu flüchten. Sein Rat: „Ich wünsche Ihnen nur, dass sie einmal auf einen Mann stoßen, der Ihnen das gibt, was Sie so bitternötig brauchen: Zweisamkeit auf Dauer.“ Zudem hielt er es für ratsam, nicht an ihrem streng-katholischen Glauben festzuhalten.

Vielleicht hat sich Marierose Fuchs Tucholskys Rat tatsächlich zu Herzen genommen. Zunächst wechselte sie den Wohnsitz, zog erst nach München, 1932 schließlich nach Köln, wo sie im Stadtteil Weiden in der Schillerstraße 1 lebte. Doch dann gab sie ihrem Leben eine entscheidende Wendung: Nach dem Tod ihres Vaters, der ihr eine erhebliche Summe vermacht hatte, erwarb sie 1933/34 die 1901 gegründete Kölner Wach- und Schließgesellschaft – vermutlich von den jüdischen Vorbesitzern. Als Geschäftsführerin, die viele Stunden in ihrem Büro verbrachte, gelang es ihr mit den Jahren, aus dem Unternehmen einen der erfolgreichsten Betriebe für Sicherheitsleistungen, die W.I.S.-Gruppe mit ca. 4.000 Mitarbeiter*innen in 27 Niederlassungen, zu machen.

Gleichwohl arbeitete sie auch weiterhin journalistisch und war seit 1934 in der Künstlerinnenvereinigung GEDOK aktiv, später Mitbegründerin des Ida-Dehmel-Literaturpreises, für den sie auch die Preisgelder zur Verfügung stellte. Zudem wirkte sie einige Jahre lang als Fachbeirätin für Literatur.

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Doch dann traf auch die gläubige Katholikin der Bannstrahl des NS-Regimes: 1938 wurde sie aus der Reichschriftumskammer ausgeschlossen, was einem Publikationsverbot gleichkam. Als die Gestapo ihr Haus durchsuchte, wurde sie glücklicherweise nicht fündig: Briefe aus dem Briefwechsel mit Mary Tucholsky an sie hat man schlichtweg übersehen. „Die Gestapo-Leute waren“, so Marierose Fuchs, „in der Literatur glücklicherweise so wenig bewandert, dass sie diese Schriften übersahen.“

Nach dem Krieg veröffentlichte die Schriftstellerin mehrere Romane und Kinderbücher, vielleicht inspiriert durch ihre beiden Neffen, die sie zwischen 1946 und 1948 bei sich aufnahm, weil deren Vater noch in britischer Kriegsgefangenschaft war.

Das private Glück, das ihr Tucholsky einst gewünscht hatte, fand Marierose Fuchs erst sehr spät: „Ich habe alles spät gemacht“, erklärte sie freimütig, „ich habe ja auch erst mit 62 Jahren geheiratet“. Über ihren Ehemann A.J.H. Steinbüchel, ist leider nichts weiter bekannt. Doch „Zweisamkeit auf Dauer“, so Tucholskys Wunsch, war dem Ehepaar nicht vergönnt, denn Steinbüchel verstarb nur vierzehn Monate nach der Hochzeit. Die Trauer um ihren Mann verarbeitete Marierose Steinbüchel-Fuchs in verschiedenen Gedichten, denn Trost und die nötige Kraft zum Weitermachen fand sie nach wie vor in ihrer Arbeit.

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Gräber

Gräber und Gräber –

trotzdem

Erblinde nicht

für Blüten und Früchte

Kurz vor ihrem Tod wurde die Geschäftsführerin der Kölner Wach- und Schließgesellschaft für ihren Einsatz „zur inneren Sicherheit des Landes“ mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Marierose Steinbüchel-Fuchs, die in den letzten Lebensjahren unter starken körperlichen Einschränkungen gelitten hatte, starb kurz vor ihrem 80. Geburtstag am 15. März 1978 in ihrer Wahlheimat Köln.

Autorin: Karin Feuerstein-Prasser

Quelle: Material Kölner Frauengeschichtsverein

Bildmaterial: Frauengeschichtsverein
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