„Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind.“ (Tucholsky)

Geboren wurde Angelika Lehndorff- Felsko am 2.1.1945 in Berlin, aufgewachsen in Berlin und Göttingen und schließlich in der Eifel, machte sie dort in Monschau 1964 Abitur. Es folgte ein Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Orientalistik in Köln und Freiburg, das sie 1969 ohne Abschluss aufgrund mangelnder Berufsaussichten beendete. Sie begann ein Studium der Geschichte, Pädagogik und Sozialwissenschaften, das sie mit einer Sekretärinnen -Tätigkeit finanzierte und 1974 mit dem 1. Staats-Examen abschloss.

Unmittelbar zu Beginn der Studentenbewegung 1967 engagierte sie sich – die Ereignisse um den Schah-Besuch und die Erschießung Benno Ohnesorgs ließen eine unpolitische Erziehung schlagartig verschwinden. Zunächst arbeitete sie im sozialdemokratischen Hochschulbund, später in der DKP; 1971 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des MSB-Spartakus. Gleichzeitig wurde sie zur Fakultäts-Sprecherin der philosophischen Fakultät Köln gewählt. Die Aufarbeitung der bis dahin verschwiegenen Verbrechen des Faschismus sah sie seitdem als eine der wichtigsten Aufgaben.

1973 heiratete sie Steffen Lehndorff (1984 geschieden) 1978 wurde der Sohn Tilman geboren.

Gleich zu Beginn des Referendariats am Genoveva- Gymnasium in Köln Mülheim erhielt sie die erste Einladung zu einer Kette von Anhörungen, die sich über die nächsten Jahre fortsetzten. Grund hierfür war der soeben eingeführte „Radikalenerlass“, der 1976, nach dem zweiten Staatsexamen, der Anlass war, sie nicht in das Beamtenverhältnis zu übernehmen und wie viele andere mit Berufsverbot zu belegen.

Angelika Lehndorff-Felsko bei einer
Ausstellung über Berufsverbote im
Landtag Düsseldorf 2021
Foto: privat

Schüler und Eltern der Schule reagierten schockiert. Die Schüler riefen zu einem Streik auf, dem sich vier weitere Kölner Gymnasien anschlossen. Dadurch erregte der Fall sehr weites Aufsehen.

Das „Berufsverbot“ wurde als Fremdwort im Ausland aufgenommen und erweckte ungute Erinnerungen an die Zeit von 1933-45. Insofern wurde auch Angelika Lehndorff -Felsko zu zahlreichen Reisen ins Ausland eingeladen und referierte dort über ihre Geschichte. In dieser Zeit arbeitete sie als Verlagsangestellte in Dortmund.

Während der ganzen Zeit, bis 1980- liefen die Anhörungen weiter. Einmal kurz wegen schwerer Verfahrensfehler des Landes unterbrochen, fingen sie dann wieder von vorne an; das Vorlegen positiver Gutachten, die Beteuerung von Kollegen und Direktoren, dass man größte Aufmerksamkeit auf einen demokratischen Umgang legte, sehr gute Beurteilungen halfen in keinem der zahlreichen Fälle, abgelehnt wurde immer und immer aus formalen Gründen. So wurden auch alle Gerichtsurteile zu Gunsten von Angelika Lehndorff- Felsko vom Land durchweg nicht akzeptiert. Es kam jedes Mal zur Berufung. Erst als 1979 keine Berufung mehr zugelassen wurde, erklärte sich das Land bereit, sie zunächst befristet ins Angestelltenverhältnis zu übernehmen, zunächst ohne Gehalt.

Auch dort am Gymnasium (später Gesamtschule) Köln Holweide war die Unterstützung sehr groß. Durch diese Unterstützung und hauptsächlich durch die immense Hilfe aus dem Ausland kam es 1981 dann doch noch zur Verbeamtung.

Bis zur Pensionierung 2010 arbeitete sie an dieser Schule. In dieser Zeit war sie zehn Jahre als Vertrauenslehrerin der Schule, Bezirks -Vertrauenslehrerin und Landes -Vertrauenslehrerin tätig, später machte sie an den Wochenenden historische und kunsthistorische Führungen durch die Kölner romanischen Kirchen und andere Kirchen, durch verschiedene Stadtteile, sowie Architekturführungen.

Foto: privat

Seit 1997 war Angelika Lehndorff-Felsko zudem Mitglied der Projektgruppe Messelager und betreute ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die während des Faschismus zu Millionen in teils sehr jungem Alter nach Deutschland verschleppt wurden und hier arbeiten mussten.

Solche Besuchs-Programme gab es in mehreren Städten, allerdings ist Köln hier tatsächlich die rühmliche Ausnahme, die es als einzige Stadt geschafft hat, ein solches Programm über 25 Jahre hinweg bis 2015 durchzuführen, in den letzten Jahren sogar zweimal im Jahr. Die weit über 500 dabei geführten Interviews, in denen diese Menschen über ihre Verschleppung, ihre Jugend, ihre Arbeit, ihr Leiden hier und über ihre Heimkehr in ein häufig völlig zerstörtes oder gar fremdes Land und das folgende Leben berichteten, boten eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen über Kölns Geschichte, die darauf wartete, bekannt gemacht zu werden.

So machte sich Angelika Lehndorff-Felsko unmittelbar nach ihrer Rente daran, diese Interviews durchzuarbeiten und in einem Buch auszugsweise zu veröffentlichen. Es erschien gleichzeitig mit dem Ende des Besuchsprogramms 2015 unter dem Titel: „Uns verschleppten sie nach Köln“.

Angelika Lehndorff-Felsko lebt in Köln, hat einen Sohn und zwei Enkel.

Autorin: Angelika Lehndorff-Felsko