Grete Humbach wird am 22. Februar 1905 als Margarete Meyer in Osnabrück geboren. Ihr Vater ist Sozialdemokrat. Nach der Volksschule arbeitet sie im Haushalt. 15-jährig geht sie in die sozialistische Arbeiterjugend, wo sie ihren späteren Ehemann Ferdinand Humbach kennenlernt. Gemeinsam wechseln sie zu den Jungsozialisten in der SPD.

1925 heiraten sie in Köln, 1926 und 1928 werden die beiden Söhne Gerd und Heinz geboren. Nach einem kurzen Intermezzo beim Internationalen Kampfbund (ISK) treten beide 1931 in die KPD ein. Sie wohnen im Arbeiterviertel Köln Bickendorf, wo Ferdi

Stadtteilleiter der KPD ist und sein Geld als Kraftfahrer bei der Seifenfabrik „Dreiring“ verdient. Zu diesem Zeitpunkt werden im Haushalt der Familie Humbach bereits Flugblätter erstellt und verteilt, die warnen „Hitler bedeutet Krieg“.

Grete Humbach – im Jahr 2000    

1933 war es für uns eigentlich selbstverständlich, dass die illegale Arbeit anfing. Da gab es überhaupt kein Überlegen. Ich kann mich an eine Demonstration in Bickendorf erinnern, auf der jemand erschossen wurde. Ich habe gefühlt, da kommt irgendetwas Schlimmes auf uns zu, nicht allein auf uns persönlich, sondern auf die Deutschen im Allgemeinen. Daher war ich überzeugt davon, dass unbedingt etwas dagegen getan werden musste. Auf jeden Fall musste die Parteiarbeit weitergehen. Wir kassierten Beiträge und führten Diskussionen in unserer Straße. Wir verteilten Flugblätter, warfen sie in Blitzaktionen auf die Straße oder in die Hausflure. Das musste schnell gehen, denn man durfte sich natürlich nicht erwischen lassen.

Grete Humbach mit Söhnen, vorne Heinz, hinten Gerd

Mit zunehmender Repression gibt es immer wieder Hausdurchsuchungen, bei denen Waffen und Bücher von Schriftstellern wie Tucholsky oder Heinrich Mann gesucht werden. Jedes Mal ohne Erfolg. Im Oktober 1933 wird ihr Mann bei solch einer Durchsuchung brutal zusammengeschlagen und für mehrere Monate ins KZ Brauweiler gebracht.

Finanziell ging es uns schlecht. Zum Glück konnte uns unsere jüdische Freundin Hanna Salomon, die eine Bäckerei in der Pfeilstraße besaß, weiterhelfen. Von der Roten Hilfe gab es auch mal was, aber das war nur sehr wenig, denn den meisten, die ein paar Groschen spendeten, ging es selbst schlecht.

Ab 1943 erhält der politische Widerstand für die Humbachs eine neue Qualität. Seit vier Jahren tobt der Krieg, leben in Köln die Menschen mit Zerstörung und Bombenangriffen. Die Humbachs schließen sich der  in Köln größten und breitesten Widerstandsgruppe während des Krieges an, der Gruppe „Nationalkomitee Freies Deutschland“ Zu ihr gehören Kommunisten, Sozialdemokraten und parteilose NS-Gegner. Sie wollen zur Beendigung des Krieges und zu einem demokratischen Aufbau Deutschlands nach dem Krieg beitragen.

Köln, Sülzgürtel 8

1943 begann unsere Arbeit für das Komitee der Volksfront, das sich später Nationalkomitee Freies Deutschland nannte. Es wurden Streuzettel hergestellt und verteilt, in denen Soldaten aufgefordert wurden, zu desertieren, um den Krieg schneller zu beenden. Arbeiter wurden aufgefordert, bei Rüstungsproduktionen und anderen Kriegszulieferungsbetrieben Sabotage auszuüben.

Grete Humbach wohnt mittlerweile mit ihrer Familie am Sülzgürtel 8 in Sülz-Klettenberg. Ihr ältester Sohn Gerd ist an die Ostfront eingezogen worden, der jüngere Heinz gerade vom Schanzen aus der Eifel nach Hause desertiert. In ihrer Wohnung finden Zusammenkünfte und Besprechungen statt, bei der Programme für ein Deutschland nach dem Krieg ausgearbeitet und für die erwarteten Alliierten ins Englische übersetzt werden. Zwei jüdische Frauen, Alice Neugebauer und ihre 17-jährige Tochter Ilse, leben auch im Sülzgürtel 8. Sie finden Unterschlupf dort, um ihrer bevorstehenden Deportierung zu entgehen. Der Vater, Max Neugebauer, ist ein sozialdemokratischer Genosse aus Gretes und Ferdis Jugend und als sogenannter Arier nicht gefährdet.

Das Sonderkommando Kütter der Gestapo, durch Flugblätter aufmerksam geworden, fahndet nach den Verfassern. Im November 1944 nehmen sie am Sülzgürtel 8 alle Personen, die sich im Haus befinden, fest und bringen sie ins Gestapogefängnis auf dem Gelände der Abtei Brauweiler. Grete Humbach und ihr 16-jähriger Sohn Heinz sind auch dabei.

Für mich war es das schlimmste Erlebnis, als sie Heinz gleich am ersten Tag in Brauweiler verprügelt haben und ich seine Schreie hörte. Als er nach der Vernehmung wieder herauskam, hatte er auf dem Rücken die Hände gefesselt, und ich konnte sehen, dass er kaum noch stehen konnte.

Das Vorrücken der Amerikaner erfordert am 10.Februar 1945 die Verlegung der Gefangenen aus Brauweiler ins Zuchthaus nach Siegburg. Im Gefängnis bricht Flecktyphus aus und Grete ist eine der ersten, die daran erkrankt. Die Frauen werden in Arbeitslager verschickt. Grete wiegt nur noch 82 Pfund. Beim letzten Transport bleibt sie mit sechs anderen Frauen einfach am Wegesrand sitzen. In einer Scheune finden sie bei einer Bauersfrau Unterschlupf. Wenige Tage später sind die Amerikaner da, und sie sind befreit. Das ist in Lüdenscheid.

 Zu Fuß zurück in Köln erfährt sie, dass Mann und Sohn überlebt haben und sich in Wetzlar befinden. Sie kann mit einem Transport der Engländer hinfahren, und alle drei kehren im Juni 1945 nach Köln zurück.

Grete ist zunächst für die KPD Beisitzerin in einem Entnazifizierungsausschuss. Als sie aber sieht, wie wenig sie dabei bewirken kann, legt sie ihr Amt nieder.

Das Sonderkommando Kütter durchläuft einen solchen Ausschuss nicht. Ferdinand Kütter entzieht sich der Verhaftung und Bestrafung im April 1945 durch Selbstmord.

Erst 1949 findet in Köln ein Prozess gegen das Gestapo-Sonderkommando Kütter statt. Dabei wird Josef Hoegen zu 9 Jahren Haft verurteilt, aber schon nach 4 Jahren 1953 wieder aus der Haft entlassen.

Grete Humbach ist 1947 bei der Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Köln dabei. Sie ist weiter Mitglied der KPD, aktiv auch nach deren Verbot. Ihr Mann Ferdinand ist Mitglied des ersten Rates der Stadt Köln und stirbt 1947 an den Folgen der Gestapohaft. Sie selbst engagiert sich bis ins hohe Alter politisch in der DKP, in der Friedensbewegung und gegen das Aufkommen neuer rechtsradikaler Bewegungen. Am 20. April 2005 stirbt sie in Köln im Alter von 100 Jahren.

G.H. bei einer Aktion gegen die Wiederaufrüstung 1951

Autorin: Malle Bensch-Humbach

Grete Humbach, links unten in KZ-Kleidung; protestiert im Bundestag zusammen mit anderen Antifaschisten gegen die Verjährung der Naziverbrechen. Bonn, Ende der 1960er Jahre