Karin Fürhaupter ist seit 2007 die ehrenamtliche Erste Vorsitzende des Tafel Köln e.V.. Die Kölner Tafel ist eine private Initiative, die sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert.

Karin Fürhaupter ist zusätzlich Beirätin des Stiftungsrates der Kölner Tafel Stiftung. Die Stiftung unterstützt seit 2007 die Tafel, indem sie den Standort incl. Lagerhalle zur Verfügung stellt.

Die in Mittenwald (Bayern) am 11.11.1959 (ein für Köln nicht unwichtiger Geburtstag), geborene Karin Fürhaupter hat vielerlei Rollen inne, einige hiervon:

Sie ist Schwester eines älteren Bruders, mit dem sie sich ihr Leben lang nahe fühlt, Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, Ex-Ehefrau, Lebensgefährtin eines Mannes, mit dem sie gemeinsam Bienen züchtet und Oma. Sie ist Sängerin in einem Kölner Chor, spielt gerne Basketball und ist begeisterte Fahrradfahrerin.

Wichtige Werte in ihrem Leben sind Teamgeist, gemeinsam in einer Gruppe etwas machen, Respekt und Wertschätzung von Menschen und Lebensmitteln. Sie sagt, jeder ist wichtig für die Gemeinschaft, wenn man etwas erreichen will. So auch in der Kölner Tafel.

Als Karin Fürhaupter  vier Jahre alt war, zog ihre Familie nach München.  Dies war aus beruflichen Gründen des Vaters, einem Zollbeamten an der Grenze zu Österreich, nötig. Ihr Vater war in französischer Kriegsgefangenschaft gewesen und hatte hungern müssen. Seine Worte, „dass das Brot auch noch gegessen werden sollte, wenn es hart sei“ leuchteten ihr immer ein. Die Eltern waren sparsam, aber nicht streng.

Ihre Mutter, Jahrgang 1925, arbeitete vormittags als Schreibkraft, später auch ganztags, um ihre Rente aufzubessern.

Karin Fürhaupter 2019
Foto: privat

Karin Fürhaupter studierte Betriebswirtschaftslehre (BWL) in München. Frau Fürhaupter: „Das habe ich gemacht, weil ich kein auffälliges Talent für etwas Spezielles hatte“

Sie arbeitete zunächst auch in der freien Wirtschaft. Wenn sie einem Berufswunsch hätte folgen können, wäre sie Lehrerin geworden. Dies war aufgrund der damaligen LehrerInnenschwemme keine Option. Hier habe sie auch keinerlei mentale Unterstützung seitens ihrer Eltern bekommen.

Ihre Heimat in Bayern verließ sie 1995 mit Ehemann und ihren 2 kleinen Töchtern, 3 und 5 Jahre alt. Der Umzug und die völlige Neuorientierung in Köln fielen ihr sehr schwer.  Sie vermisste ihre Eltern und den FreundInnenkreis.

Dass sie zur Tafel kam, sieht Karin Fürhaupter als Zufall und reinen Glücksfall an. Sie erfuhr von der Tafel in Rodenkirchen über ein Werbeschild, an dem sie mit ihrem Fahrrad vorbeifuhr.

Es interessierte sie, und sie stellte sich dort vor. Beate Welbers, die Gründerin der Kölner Tafel und damalige Erste Vorsitzende, arbeitete sie sehr gut ein und gab ihr Wissen vorbehaltslos an sie weiter.

Beate Welbers hatte die Kölner Tafel 1995 nach dem Vorbild der Berliner Tafel, der ersten Tafel in Deutschland, gegründet. Die Kölner Tafel ist ein Logistikunternehmen, welches in Kooperation mit den Lebensmittelausgabestellen funktioniert. In Köln werden wöchentlich 106 soziale Einrichtungen, davon 46 Lebensmittel-Ausgabestellen beliefert.

Eine eigene Anlaufstelle, wie es in einigen anderen Städten der Fall ist, bewirtschaftet die Kölner Tafel nicht.

Karin Fürhaupter fing im Jahre 1999 ehrenamtlich an drei Vormittagen bei der Tafel an.

Sie beschränkte ihre Tätigkeit, um der Familie, gerecht zu werden. Durch das gute Einkommen ihres Mannes wähnte sie sich in finanzieller Sicherheit und fühlte sich aufgerufen, sich ehrenamtlich sozial zu engagieren. Heute rät sie Frauen immer zu finanzieller Selbstständigkeit.

Die Tafeln wurden oft von Frauen gegründet. „Die Frauen sind gut ausgebildet und sind zu Hause geblieben. Sie haben ihren Intellekt dazu benutzt, ehrenamtlich Tafeln aufbauen“.

Mehrere Wegbegleiterinnen standen ihr bei der Tafel freundschaftlich und beratend zur Seite. Neben der Gründerin Beate Welbers denkt sie an Brigitte Gerwin, die ehemalige Zweite Vorsitzende, die sehr viel Menschenkenntnis hatte. Mit ihr fuhr sie viele Jahre mit viel Spaß einmal in der Woche eine Tour: Lebensmittel abholen und zu den Ausgabestellen bringen. Leider starb Brigitte Gerwin im Dezember 2024.

Bei der Arbeit 2024
Foto: Ulrike Süsser

Karin Fürhaupter ist es wichtig, dass Frauen in die Vorstandsämter kommen, denn sie denken anders als Männer. Auch die heutige Zweite Vorsitzende Ursula Lippertz ist eine Frau. „Frauen sind bescheidener und bewirken trotzdem was“. Es geht um die Sache und das Ergebnis: “ Ich bin hier – weil ich es kann und was bewirken möchte“.

Wichtiges Prinzip der Tafel ist, dass nichts übrigbleiben soll. Das ist ein Prinzip, nachdem Karin Fürhaupter erzogen wurde. Für sie hat die Tafel ein geniales Konzept: überschüssige Lebensmittel zu verwenden, statt wegzuwerfen und damit gleichzeitig bedürftige Menschen zu unterstützen, damit es ihnen ein bisschen besser geht und sie mehr am Leben teilnehmen können. „An strukturellen Problemen der Armut verändert die Tafel aber nichts“. Die Tafel sei nicht dazu da, Mängel im staatlichen sozialen Sicherungs-System aufzufangen.  Vernichtung von Lebensmitteln sei eine Verschwendung von Energie und Missachtung der Arbeit der Menschen, die Lebensmittel herstellen.

Die Tafel in Köln hat sich seit der Gründung 1995 sehr verändert. Von anfänglich zwei Fahrzeugen gibt es heute 16 Transporter und einen LKW. Früher war die Arbeit rein ehrenamtlich – heute gibt es mehrere hauptamtliche MitarbeiterInnen in der Organisation und im Lager.

Karin Fürhaupter hat die Tafel mit aufgebaut. Sie war ein wichtiger Motor, betont aber, dass dies gemeinsam mit KollegInnen geschah und ihr die richtigen Menschen im richtigen Moment über den Weg gelaufen sind.

Heute ist Karin Fürhaupter jeden Tag vor Ort. Sie hat große Erfahrung und einen genauen Überblick über das Geschehen und Anfordernisse in der Kölner Tafel.Sie vertritt die Tafel nach außen, organisiert, koordiniert, verwaltet und hält den Kontakt zu den LeiterInnen der Ausgabestellen.

 „ Ich kenne die harte Arbeit der Ehrenamtlichen. Die Abnehmer sind keine Schmarotzer“(KSTA 28.5.2019)

Karin Fürhaupter ist bis Dezember 2027 als Erste Vorsitzende gewählt und würde diese Aufgabe gerne mindestens noch eine weitere Wahlperiode lang übernehmen, um dann ihre Nachfolge einzuführen.

Sie nimmt immer wieder neue Projekte in den Blick, so zum Beispiel die sukzessive Umstellung der Fahrzeugflotte auf Elektro-Transporter und die dafür benötigte Erweiterung der Photovoltaik auf dem Dach der Lagerhalle der Kölner Tafel.

Auch steht die Einführung einer Selbstlern-Plattform für Tafelhelfer an. Damit sollen Themen wie Hygiene und Arbeitssicherheit vermittelt werden.

Autorin: Gabriele Grewe, auf der Basis eines Interviews mit Karin Fürhaupter am 31. März 2026

Quellen:

  1. Interview am 31. März 2026, Geschäftsstelle der Kölner Tafel e.V.
  2. KSTA 28.05.2019