Ein Buch ist ein Ort: Für Dr. Christiane Hoffrath trifft dieser Satz in ganz besonderer Weise zu. Die Dezernentin an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) ist vor allem die Hüterin der historischen Schätze der USB. Wie wichtig und vor allem spannend diese Arbeit ist, erfuhr eine breite Öffentlichkeit im Sommer 2024. Im Historischen Archiv wurde die einzigartige Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf (20. Juli 1748 bis 18. März 1824) gezeigt. Der Titel dieser weit über die Grenzen Kölns viel beachteten Ausstellung lautete: „Ein Buch ist ein Ort. Wallrafs Bibliothek für Köln“. Bevor diese Schätze gezeigt und bestaunt werden konnten, musste die Büchersammlung gerettet werden. Erst nach der Restaurierung der Werke war dieser Ort wieder zugänglich und konnte im übertragenen Sinn betreten werden. Vor allem dank der Hartnäckigkeit, Umsicht und Leidenschaft von Dr. Christiane Hoffrath. Diese Eigenschaften – Fleiß muss noch ergänzt werden – sind die Bausteine, auf denen eine Karriere fußt, die wohl beispiellos in der deutschen Bibliothekslandschaft ist.

Los ging es 1981, als die 16jährige in die Berufsausbildung zur Bibliotheksassistentin startete. Später folgten Studium und Aufstieg zur Diplom-Bibliothekarin und zur Bibliotheksrätin im Höheren Dienst. Die promovierte Historikerin hat an der Fernuniversität Hagen Geschichte und Philosophie studiert. Nebenberuflich. Wie auch das Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Köln (VWA) zur Diplom-Verwaltungsbetriebswirtin.
Seit 2015 ist die Kölnerin die Leiterin des Dezernats „Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung“ der USB und betreut die Fachreferate Geschichte, Altes Buch und Rheinische Landeskunde.
Ihre Eltern hatten mit ihrem Ratschlag in Richtung Bibliothek Weitsicht bewiesen. Beides, das Lesen und die Wissbegierde, ziehen sich wie das Lesebändchen eines Buches durch das Leben von Christiane Hoffrath. Was nicht bedeutet, dass Christiane nicht auch eine großartige Insektenforscherin oder Kranfahrerin geworden wäre. Bei der Wahl einer olympischen Disziplin hätte sie sicherlich stets die Langstrecke gewählt. Wenn sie ein Ziel vor Augen hat, stoppt sie erst, wenn sie es erreicht hat. So wie beispielsweise bei der Rettung der historischen Buchbestände. Das war kein Sprint, sondern ein Marathon.
Durchhaltevermögen zeigt sie auch als Karnevalsbegeisterte. Beim Rosenmontagszug wird der Platz am Straßenrand oder auf der Tribüne erst verlassen, wenn der Prinzenwagen durch ist und der Zugleiter das Motto der kommenden Session enthüllt hat. Egal, ob es zwischendurch regnet, schneit oder stürmt.
Ihre Arbeitsschwerpunkte als Dezernentin und Buchwissenschaftlerin sind Provenienzforschung, einschließlich der NS-Provenienzforschung, Buch-, Bibliotheks- und Sammlungsgeschichte, Digitalisierung und Prozessmanagement. Dazu kommen Forschungen und Publikationen zur Buch- und Bibliotheksgeschichte. Christiane Hoffrath ist Lehrbeauftragte für Management historischer Bestände an der Technischen Hochschule Köln und Vorsitzende des Notfallverbundes Kölner Archive und Bibliotheken.
In unregelmäßigen Abständen macht sie Führungen über den Melaten-Friedhof oder in verschiedenen Veedeln. Sie liebt generell alles, was mit Köln und der kölschen Sprache zusammenhängt. Ihr bevorzugter Gemütszustand ist fröhlich. Etwas liegt Dr. Christiane Hoffrath besonders an Herzen. Sie möchte vor allem jungen Menschen vermitteln, dass Bibliotheken Orte der Demokratie sind. Weil sie freien Zugang zu Wissen bieten, ein Raum zum Verweilen und Lernen sind. Und verschiedenen Gruppen der Gesellschaft offenstehen, zum Kennenlernen, zum Meinungsaustausch, zum Diskurs.
Bleibt noch Zeit für Hobbys? Selbstverständlich. Golf, Lesen und alles, was in die Kategorie „Draußen-in-der-Natur-sein“ fällt.
Autorin: Dr. Christiane Hoffrath
Werke (Auswahl):
Bücherspuren. Das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im „Dritten Reich“. 2. Auflage, Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2010.
Bibliotheksdirektor im Nationalsozialismus. Hermann Corsten und die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Köln: USB, 2012.
Als Herausgeberin:
Hommage für Hittorff. 1792-1867: Bilder, Bücher und Würdigungen. Köln: Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, 2020.
Gremientätigkeiten:
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (Förderbeirätin)
Deutscher Bibliotheksband / Kommission für Provenienzforschung und Provenienzerschließung (Gründungsmitglied)
Koordinationsstelle Provenienzforschung NRW / KPF.NRW (Wissenschaftliche Beirätin)
Arbeitskreis Historische Bestände in NRW und Rheinland-Pfalz (Mitglied)
Arbeitskreis Provenienzforschung und Restitution – Bibliotheken (Gründungsmitglied)
Arbeitskreis Provenienzverzeichnung NRW (Gründerin)
Arbeitskreis Provenienzforschung NRW (Mitglied)
Kunst- und Museumsbibliothek Köln / Wissenschaftlicher Beirat (ständiger Gast)
Kölnischen Bibliotheksgesellschaft e.V. (Gründungsmitglied und ständiger Gast des Vorstands)