Bis vor einiger Zeit war das Erzbistum Köln das größte und reichste in ganz Deutschland. Angefangen hat der Aufstieg Mitte des 13. Jahrhunderts. Damals wurde auch der Grundstein für den Kölner Dom gelegt (1248), um den Reliquien der Heiligen Drei Könige ein würdiges Ambiente zu verschaffen. Zudem vermachte die verwitwete Gräfin Mechthild von Sayn ihr umfangreiches Westerwälder Heiratsgut dem Erzstift Köln, dem weltlichen Herrschaftsbereich des Erzbischofs. Bis dahin war Köln im Vergleich zu Trier und Mainz eher wenig bedeutend gewesen. Jetzt aber erstreckte sich sein Einflussbereich bis nach Andernach.
Ihre Witwenjahre verbracht Mechthild von Sayn im Kölner Kloster Sion, das sie seinerzeit zusammen mit ihrem Mann gegründet hatte. Es existiert heute leider nicht mehr.

Über Mechthilds frühe Jahre wissen wir leider nur wenig. Geboren wurde sie um 1200/1203. Doch ihr Geburtsort ist ebenso wenig bekannt wie die Orte, an denen sie aufgewachsen ist. Ihre Eltern waren Markgraf Dietrich von Landsberg (um 1145-1207) und Jutta von Thüringen, eine Tochter des Landgrafen Ludwig III. und Cousine von Ludwig IV., Ehemann der hl. Elisabeth. Vater und Mutter starben, als Mechthild noch ein kleines Mädchen war. Von ihrer Mutter erbte sie nun deren umfangreichen Besitz im Westerwald, ein Gebiet zwischen Windeck, Altenwied und Neuerburg. Die junge Mechthild galt also durchaus als „gute Partie“. Schon sehr früh wurde sie mit Heinrich III. von Sayn verlobt, den sie 1215 heiratete. Da war sie noch ein Kind.
Die Grafen von Sayn waren erstmals im 12. Jahrhundert in Erscheinung getreten. Ihren Namen erhielten sie von der bei Bendorf im westlichen Westerwald gelegenen Stammburg. Im Laufe der Zeit konnten sie ihre Machtposition stärken und standen auch in enger Verbindung zum Erzbischof von Köln, für den sie im Kriegsfall in die Schlacht zogen. Mechthilds Schwiegervater, Heinrich II. von Sayn, war bereits einer der bedeutendsten Grafen an Nieder- und Mittelrhein mit einem Machtschwerpunkt zwischen Sieg und Lahn sowie Residenzen in Sayn, Blankenburg und Köln. Durch Mechthilds Ehe mit Heinrich III. und ihrem umfangreichen Westerwälder Heiratsgut nahm die Bedeutung der Grafschaft noch weiter zu.
Mechthild und Heinrich stifteten zahlreiche Klöster, darunter Seligenthal, Drolshagen und Blankenberg und standen in enger Beziehung zu weiteren Abteien. Die Motivation für die umfassende Unterstützung geistlicher Institutionen lag nicht unbedingt in tiefer Frömmigkeit. Doch man glaubte fest daran, dass man sich durch fromme Stiftungen das eigene Seelenheil und das der Vorfahren sichern konnte. Dafür beteten schließlich die Mönche und Nonnen, die in diesen Klöstern lebten. So erwarb man gleichsam das „ewige Leben“ und blieb der Nachwelt auch dann noch in Erinnerung, wenn es keine Nachkommen gab.
Die Ehe blieb lange kinderlos, und als Mechthild endlich schwanger wurde, starb Heinrich III. 1246. In der Abteikirche der Stammburg Sayn fand er seine letzte Ruhestätte. Doch kaum hatte Mechthild ihren Mann zu Grabe getragen, da trauerte sie um ihr neugeborenes Kind, das nur kurze Zeit gelebt hatte. Weil Heinrich III. keine Erben hatte, fiel das Gebiet zwischen Sieg und Lahn jetzt an seinen Neffen. Doch die Erfolgsgeschichte des Hauses Sayn ging mit dem Tod Heinrichs III. zu Ende. Mechthild trat derweil mit dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden in Verbindung und verkaufte ihm bis 1250 die Anwartschaft auf ihren Westerwälder Besitz.
Gleichwohl verfügte sie noch über Eigentum, darunter die Löwenburg bei Bad Honnef, die Neuerburg bei Niederbreitbach sowie das Areal des Kölner Zisterzienserinnenklosters Sion im heutigen Severinsviertel, das sie bereits gemeinsam mit ihrem Ehemann gestiftet hatte. Der eigentliche Name der Abtei war „Maria im Spiegel“, doch im Volksmund wurde sie nach den Stiftern Sayn genannt, woraus schließlich „Sion“ wurde.
Das ehemalige Franziskanerkloster in der Seyengasse wurde von den Brüdern um 1245 an das Ehepaar Sayn verkauft, denn sie hatten sich für eine mehr zentral gelegene Niederlassung entschieden: nahe bei der Kirche St. Kolumba, dort, wo heute das Museum für Angewandte Kunst steht. Die Minoritenkirche der Franziskaner existiert nach wie vor.
Das ehemalige Franziskanerkloster überließen Mechthild und Heinrich einem Konvent der Zisterzienserinnen, der sich den Namen „Maria im Spiegel“ gegeben hatte, vermutlich, weil die Kölner Patrizerfamilie von Spiegel seinerzeit zu den Stiftern gehört hatte. Hier lebten ausschließlich Frauen der Oberschicht, die in der Lage waren, die hohe Mitgift zu entrichten, die beim Eintritt ins Kloster fällig wurde.
Die Stiftungsurkunde enthielt die Klausel, dass Mechthild nach dem Tod ihres Mannes einen Teil der Gebäude und des Gartens als Witwensitz nutzen dürfe, das erst an das Kloster fallen solle, wenn sie selbst starb. So verbrachte sie die vielen Jahre, die sie noch zu leben hatte, überwiegend in Köln, auch wenn sie sich hin und wieder auch auf der Löwenburg aufgehalten haben dürfte. Mechthild von Sayn stand auch weiterhin in enger Verbindung zur Kölner Geistlichkeit und pflegte eine persönliche Bekanntschaft zu dem Gelehrten Albertus Magnus (um 1200-1280), der 1248 nach Köln gekommen war und hier eine renommierte Klosterschule ins Leben gerufen hatte, die Studenten aus ganz Europa anzog.
Nach einem langen Leben starb Mechthild von Sayn um 1292 in Köln. Sie wurde unter dem von ihr gestifteten Hauptaltar der Kirche des Klosters Sion beigesetzt. Leider existiert ihre Grabstätte heute nicht mehr. Nachdem das Kloster Sion 1802 im Zuge der Säkularisation aufgehoben wurde, hat man es verkauft. 1833 erfolgte der Abriss der Klosterkirche, und auf dem Gelände wurde eine Zuckerfabrik gebaut. Doch die bis heute umliegenden Straßen im Severinsviertel wie die Seyengasse, aber auch die Landsberg- und Mechthildisstraße halten die Erinnerung an Mechthild von Sayn bis heute aufrecht.
Autorin: Karin Feuerstein-Prasser
Quelle:
Bohn, Thomas, Mechthild von Sayn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/mechthild-von-sayn/DE-2086/lido/57c94a8a760643.80278545 (abgerufen am 12.04.2026)
Material Kölner Frauengeschichtsverein