Credo und Lebensmotto: Rede niemals schlecht über FRAUEN!

Christine Kronenberg
Foto: Monika Nonnenbacher

Geboren 1955 und aufgewachsen als älteste von drei Schwestern erlebte Christine Kronenberg von Kindesbeinen an schwesterlichen Zusammenhalt – und im elterlichen Logistikunternehmen in Kerpen Selbstständigkeit und Unternehmertum.

… und eigentlich sollte sie das mittelständige Familienunternehmen fortführen. 

Stattdessen und motiviert von Unabhängigkeit startete sie nach „klösterlicher Schulbildung“ an einer reinen Mädchenschule ihre berufliche Laufbahn als Diplom Verwaltungswirtin bei der Stadt Köln, die sie als Leitendende Verwaltungsdirektorin 2016 – zur Gründung ihres eigenen Unternehmens mit 61 Jahren – verließ.

Aber von vorne: Zu Beginn ihrer Berufstätigkeit in der 1970ern musste sie die Erfahrung machen, dass Beförderungen und Chefsessel, Macht und Entscheidungen bei der Stadt Köln Männern vorbehalten war. Links und rechts zogen eher mittelmäßige Männer an ihr vorbei ins Karriereoberhaus und bekamen das Sagen. Frauen bei der Stadt waren „Fürsorgerinnen“, schrieben Protokolle oder notierten Wohnungswechsel auf Karteikarten.

Christine Kronenberger mit Rita Süssmuth
Foto: privat

Was hat ihr feministisches Blut zum Brodeln gebracht?
War es ihre Erfahrung mit der gläsernen Decke, Verschwendung von weiblichem Potential, ihre klösterliche Erziehung, Sisterhood und ihr Engagement für Frauensolidarität – vermutlich die Summe all dessen! Und so machte sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf den Weg, sich für Frauen zu engagieren.

Feministische Aktivistin von A wie Ausbildung bis Z wie ZONTA Phase 1:  1990-2001
Frauen sollen verwirklichen, was in ihnen steckt und eine existentielle Sicherheit ist unabdingbar!
Durchgebissen: mit 35 Jahren übernahm Christine die Leitung der städtischen Abteilung Aus- und Fortbildung. Es herrschte Fachkräftemangel in städtischen Ämtern, in Schulen und Museen. Und so holte Kronenberg über Anzeigen in der Lokalpresse mehr als 300 sogenannte Berufsrückkehrerinnen zur Stadt: dies waren ehemalige Friseurinnen, Lehrerinnen, Architektinnen oder Käseverkäuferinnen.
Fast alle hatten aufgrund von Familienpflichten eine lange berufliche Auszeit hinter sich, viele befanden sich gerade in einer Trennungsphase.
Sie hatten keine Chance in ihren ausgebildeten Berufen zurückzufinden. „Wir haben die Potentiale dieser 45-50jährigen Frauen erkannt, sie durch Qualifikationen fitgemacht für die Verwaltung und ihnen somit ihre existentielle Sicherheit und eine Alterssicherung verschafft,“ so Christine.
„Viele sind aufgestiegen bis zur Abteilungsleiterin. Es war mein erstes strategisches Frauenförderprojekt.“

Phase 2: 2001-2016
… vom Spaß am Widerstand und Frauen in Chefsesseln

2001 wechselte Kronenberg an die Spitze des Amtes für Gleichstellung von Frauen und Männern. Sie legte ihren Fokus auf die interne Frauenförderung und schaffte es, den Anteil von Frauen in Führung auf 57% zu bringen und den Anteil von Frauen im Management (ca. 280 Top-Positionen) von 21% (2001) auf 42% (2016). Damit war die gläserne Decke im Karriereoberhaus der Stadt zum Splittern gebracht.
Konsequent und kämpferisch brachte Kronenberg die Männer der Stadt zu einem genderfairen Umdenken und die städtischen Frauen in Chef(innen)sessel – sie selbst holte sich unzählige blutige Nasen. Dass die Ämter der Stadt Köln heute zu einem Großteil von Frauen geleitet werden, ist unter anderem der Verdienst einer analytischen Bestandsaufnahme und der Implementierung zielgerichteter Fördermaßnahmen geschuldet, wie Mentoring-Programmen, Genderschulungen und einem stabilen Frauennetzwerk.

Aber auch für die Bürgerinnen dieser Stadt engagierte sie sich gegen Sexismus und Gewalt an Frauen und Mädchen – u. a. mit Kampagnen wie CHRISTA gegen sexistische Werbung und so verhüllte Kronenberg gemeinsam mit Kölner Aktivistinnen Autos mit Bordellwerbung à la CHRISTO! Sie kämpfte für den Erhalt der Frauenhäuser und für eine Anonyme Spurensicherungen nach sexuellen Gewalttaten in Köln, als eine der ersten deutschen Städte.

Von 2006 bis 2009 war sie auf bundespolitischer Ebene aktiv und fungierte als Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten gegenüber der damaligen Frauenministerin Dr. Ursula von der Leyen.  Die Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten mit 500 Teilnehmerinnen holte sie 2006 nach Köln.

Phase 3 2016 –
Unternehmen schaffen, in denen Frauen aufsteigen KÖNNEN und WOLLEN

Gründerin mit 61 Jahren: Christine verlässt die Stadt und startet als Expertin für strategisches Gender Management 2016 ihr Herzensprojekt:
die Unternehmensberatung FEMALE RESOURCES. Ihre Vision: Unternehmen zu schaffen, in denen Frauen aufsteigen KÖNNEN und WOLLEN.

Mit prominenter Unterstützung der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker gründete sie das Bündnis MIT FRAUEN IN FÜHRUNG mit damals 13 Kölner Unternehmen. Mit dem Beitritt verpflichten sich die Vorständ:innen der Unternehmen zu Maßnahmen, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Heute gehören den Bündnis 25 Kölner Top-Unternehmen an und so ist es ein in der Bundesrepublik einzigartiges Projekt.

Auftakt CROSS MENTORING für junge Potentialträgerinnen
Foto: Monika Nonnenbacher  

In zahlreichen Workshops wurden gemeinsam mit den Bündnis- Unternehmen ein Werkzeugkasten zur Förderung von Frauen geschaffen.  Aus diesen entwickelt Kronenberg gemeinsam mit den Unternehmen passgenaue Strategien für ihre frauenfreundliche Organisationsform. Ziel ist es, weitere Bündnisse in anderen Städten zu etablieren.

Eine weitere Erfolgsstory ist das zwischenzeitlich bundesweit etablierte Cross-Mentoring für Frauen: Mehr als 500 aufstiegswillige Frauen wurden als Mentees 14 Monate von Vorständ:innen oder Bereichsleiter:innen (= Mentor:innen) eines anderen Unternehmens in ihrer Karriereentwicklung begleitet. Mehr als 80% der Mentees schaffen so einen beruflichen Aufstieg und mehr als 90% verbleiben in ihren Unternehmen. Damit ist Frauenförderung messbar und wirtschaftlich akzeptiert.

Zusätzlich agieren in den Unternehmen weibliche Führungskräfte als MACHERINNEN. Sie sind Vorbilder und Förderinnen zugleich, haben in dieser Rolle eine neue Sichtbarkeit im Unternehmen und bilden ein tragfähiges Netzwerk. Wo Frauen führen, wachsen Frauen nach!


Zwischen den Phasen
Built a better world for women and girls
Christine Kronenberg ist seit 2003 Mitglied bei ZONTA International und engagiert sich seitdem insbesondere in Rahmen der Orange Days gegen Gewalt an Frauen. Von 2023-2025 war sie Präsidentin des ZONTA Club Köln und hat eine große Spendenkampagne KÖLNERINNEN FÜR AFGHANNINEN zur Unterstützung afghanischer Frauen ins Leben gerufen.
Auch ehrenamtlich initiierte sie für den die erfolgreiche Kölner Opernintendantin Dr. Birgit Meyer einen ehrenvollen Abschied und zur Wiederwahl von Henriette Reker mobilisierte sie 2020 die Anzeigenreihe FRAUEN AN DIE SPITZE mit mehr als 50 prominenten Kölnerinnen.

Zum Schluss und dem JETZT

Die Welt steht 2026 zweifelsohne vor großen Herausforderungen, Frauen finden weder in der Weltpolitik noch in der Landes- und Bundespolitik nicht statt, und auch in den Unternehmen ist Anteil an Führungsfrauen rückläufig.
Sag mir wo die Frauen sind oder wie UN-Generalsekretär António Guterres es 2025 artikulierte:
„Das Gift des Patriarchats ist zurück, und es ist mit aller Macht zurück. Aber es gibt ein Gegenmittel, und das Gegenmittel ist Handeln.“

Handeln und sich Verbünden, so haben es unsere Ahninnen geschafft: ALLE Frauen brauchen den Support ALLER Frauen!

Christine Kronenberg

Auftakt CROSS MENTORING: Frauen fürs Management
Foto: Monika Nonnenbacher