Im Jahr 1952 in Köln geboren und aufgewachsen, hat Eva Pohl ihr Leben in dieser Stadt verbracht. Die Gleichstellung von Frauen und Männern, aber auch die Gerechtigkeit, haben sie bereits als Kind sehr interessiert. Als sie dann – gestärkt durch die zweite Frauenbewegung – ihren Weg gefunden hatte, konnte sie ihre beiden Lebens-Themen sowohl als Gewerkschafterin als auch im Beruf verfolgen und miteinander verknüpfen.

Das tat sie auf zwei Weisen: zum einen durch Bildungs-, Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit, zum anderen, indem sie an der nachhaltigen Veränderung von Strukturen arbeitete: in der Gewerkschaft, in der Agentur für Arbeit, mit kommunalpolitischen Forderungen der Kölner DGB-Frauen, durch die Mitarbeit in der Initiative „Zeiten der Stadt“, wo es darum ging, z.B. Öffnungszeiten und ÖPNV besser auf einander abzustimmen und zu zeigen, welche zeitlichen Notstände bei Frauen der tatsächlichen Gleichstellung entgegenstehen, im Aktionsbündnis „Ein 3. Frauenhaus für Köln!“ u.v.m.

Am Rhein: © Katrine Maximiliane

Schon als Studentin ist Eva Pohl 1975 in die Gewerkschaft (GEW) eingetreten. Als sie 1979 zum Kölner Arbeitsamt (heute Agentur für Arbeit) kam, wurde sie sofort in der ÖTV aktiv, zunächst als Vertrauensfrau, 1985 bis 1998 als gewählte Personalrätin, 1992 bis 1998 als freigestellte Personalrätin und stellv. Vorsitzende des Personalrats.

Als Personalrätin legte sie den Schwerpunkt auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und konnte nachhaltig erreichen, dass individuelle Teilzeitmodelle möglich wurden – weg von dem starren Modell der ½ Teilzeit vormittags.

Mitte bis Ende der 90er Jahre wurde die „Telearbeit“ in den Gewerkschaften, den Betrieben und Verwaltungen kontrovers diskutiert. Hier war sie eine hartnäckige und letztlich erfolgreiche Vorkämpferin für eine Arbeitsform, die heute in vielen Unternehmen selbstverständlich ist.

Zum Thema Mobbing leistete sie Pionierarbeit. Als sie das damals noch neue Thema im Rahmen einer Personalversammlung vorstellte, schlug es bei den Beschäftigten wie eine Bombe ein. Die Kölner ÖTV entwickelte daraufhin unter Federführung von Eva Pohl eine Muster-Dienstvereinbarung, die von allen Kölner Verwaltungen und Betrieben genutzt werden konnte. Die ‚Dienstvereinbarung zum Thema Mobbing‘ der Agentur für Arbeit von 2006 existiert bis heute und wurde vielfach zum Vorbild genommen. In dieser Zeit gab Eva Pohl zahlreiche Vorträge und Seminare bei unterschiedlichen Organisationen zum Thema Mobbing.

In der Agentur für Arbeit: Eva Pohl

Als sich die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) bildete, galt es, die Frauenstrukturen von fünf verschiedenen Gewerkschaften mit ihren unterschiedlichen Kulturen und Arbeitsweisen unter dem Dach von ver.di in Köln zu vereinen. In sehr vielen Abendstunden und Wochenendseminaren haben sich die Frauen auf den Weg gemacht, „eins“ zu werden und zu ersten Ideen für die gemeinsame Zukunft zu kommen. Das von Eva Pohl für diesen Prozess entwickelte „Vernetzungskonzept“ nahmen sich viele andere ver.di-Bezirke in NRW zum Vorbild und luden sie ein, um zu berichten, wie die Frauen in Köln das so gut und erfolgreich organisieren konnten.

Im so entstandenen ver.di- Bezirksfrauenrat Köln war sie dann 2001 – 2004 stellv. Vorsitzende und von 2004 bis 2010 Vorsitzende. 2004 entsandten die ÖTV-Frauen sie in den DGB-Regionsfrauenausschuss, wo sie 2005 ebenfalls zur Vorsitzenden gewählt wurde. Sie blieb Vorsitzende des DGB-Regionsfrauenausschusses / DGB-Stadtfrauenausschusses Köln bis 2020. Seitdem arbeitet sie weiterhin in diesem Gremium mit, von dem sie seit 2013 in den Vorstand des AKF Köln (Arbeitskreis Kölner Frauenvereinigungen) entsandt wird.

Als Vorsitzende der Kölner DGB-Frauen initiierte sie die gewerkschaftlichen Aktivitäten im Rahmen des Internationalen Frauentages (IFT), von 2006 bis 2010 mit eigenen Veranstaltungen in Köln. Titel waren z.B. „Frauen am Ball – oder im Abseits (2006) oder „20-40-60: Frauen in jedem Alter eine Klasse für sich!“ (2010). In 2011 wurden 100 Jahre Internationaler Frauentag gefeiert. Die Kölner Frauenorganisationen schlossen sich mit dem Städtischen Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern zu einem Bündnis IFT zusammen und zogen demonstrierend zum Rathaus, wo sie anschließend gemeinsam feierten. Seitdem richtet das Bündnis unter Federführung der Stadt Köln die städtische Veranstaltung zum Internationalen Frauentag aus.

In der IHK Köln (am AKF-Stand): Eva Pohl

Als im Jahr 1998 im Bereich der Arbeitsförderung das Dritte Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) in Kraft trat, wurde pro Agentur für Arbeit eine Stabstelle eingerichtet: eine Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Diese Stelle war wie für Eva Pohl gemacht und die Hälfte ihrer Jahre im „Arbeitsamt“ verbrachte sie auf diesem für sie so besonderen Posten. Da die Position neu war, konnte sie viele Ideen einbringen. Und weil es gerade in Köln so viele engagierte Frauen in Organisationen und Vereinen gibt, konnte sie – gut vernetzt – schnell durchstarten.

Auch als Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt leistete sie Pionierarbeit und entwickelte Beispiele guter Praxis, wie die Veranstaltungsreihe „Zurück in den Beruf“ nach einer Familienpause und in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln den „Kompass für Berufsrückkehrerinnen“, der regelmäßig aktualisiert wurde.

Sie wurde zu einer der tragenden Säulen der Gleichstellungsarbeit in der Millionenstadt Köln. Die so wichtige Veranstaltungsreihe „Frauen gründen anderes“, rettete sie, nachdem die ursprüngliche Federführung 2006 nicht mehr fortgesetzt werden konnte, und führte sie mit sehr viel Engagement weiter. Die Veranstaltungsreihe ist in dieser Form und Kontinuität bundesweit einzigartig, denn sie lebt bis heute von der dauerhaften erfolgreichen Zusammenarbeit einer Institution (Agentur für Arbeit Köln) mit ehrenamtlichen Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Frauenorganisationen unterschiedlichster Art, die sich im ‚Arbeitskreis Kölner Netzwerke Frau & Wirtschaft‘ zusammengeschlossen haben. Zusammen mit diesem Arbeitskreis veranstaltete Eva Pohl federführend von 2008 bis 2011 jährlich eine Großveranstaltung für erwerbstätige Frauen unter dem Motto „Frauen an die Spitze“.

Bereits seit 1998 war sie ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht Köln. 2010 wechselte sie zum Bundessozialgericht, wo sie bis 2021 ihre Blickwinkel einbrachte.

Lange Jahre war sie durch ihr engagiertes und stets fachlich fundiertes Eintreten für die berufliche und wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen und Männern eine gefragte Gesprächspartnerin für Podiumsdiskussionen und Interviews in Presse, Funk und Fernsehen.

Trotz gesundheitlicher Widrigkeiten wird sie nicht müde, sich im DGB-Stadtfrauenausschuss und als stellvertretende Vorsitzende im Vorstand des AKF Köln (Arbeitskreis Kölner Frauenvereinigungen) für die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern einzusetzen.

Am 08.08.2025 wurde Eva Pohl das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Marita Alami