Dr. phil. Njeri Rahab ist Mutter, Historikerin, dekoloniale Wissenschaftlerin und Community-Aktivistin. Ihre wissenschaftliche Laufbahn führte sie zunächst an die Universität zu Köln, wo sie Nordamerikanische Studien, Afrikastudien, Anglistik sowie Politikwissenschaft(Magister) studierte, bevor sie ihre Promotion an der Universität Trier im Rahmen der International Research Training Group (IRTG), einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten internationalen Graduiertenschule, abschloss. Ihre Forschungsinteressen bewegen sich an den Schnittstellen von Postcolonial Studies, Gender Studies, Intersektionalität, Schwarzem Feminismus, Afrikanischer Geschichte, Critical Whiteness Studies, Politikwissenschaft, Diaspora- und Migrationsforschung sowie Black Canadian Studies.

In ihrer Arbeit als Trainerin, Moderatorin, Kuratorin und Wissenschaftlerin verbindet Njeri Rahab akademische Analyse mit gesellschaftlichem Engagement. Sie konzipiert und leitet Trainings zu Critical Whiteness, Anti-Black Racism, kritischer intersektionaler Diversität und Empowerment. Dabei schafft sie Räume für reflektierten Dialog, kritisches Lernen und kollektive Transformation. Ihr Ansatz ist dezidiert dekolonial und intersektional. Ziel ihrer Arbeit ist es, Institutionen dabei zu unterstützen, diskriminierungskritische Perspektiven zu stärken und demokratische Teilhabe für alle Menschen zu fördern.
Als Historikerin engagiert sich Njeri aktiv in der Restitutionsdebatte in Köln. Sie setzt sich für eine verantwortungsvolle Aufarbeitung kolonialer Geschichte und für die Rückgabe von Kulturgütern ein, die während der Kolonialzeit aus afrikanischen Gesellschaften entwendet wurden. Dabei verbindet sie historische Forschung mit gesellschaftspolitischem Engagement und arbeitet daran, koloniale Kontinuitäten in Museen, Archiven und öffentlichen Institutionen kritisch zu reflektieren. Darüber hinaus war sie in verschiedenen zivilgesellschaftlichen und institutionellen Gremien aktiv, unter anderem im Gesundheitsausschuss der Stadt Köln sowie in Expert*innengremium (Post)koloniales Erbe Kölns, ANSA e.V., Kölner Frauengeschichtsverein e.V., der International African School und Women of Impact. Ihr Engagement verbindet akademische Expertise mit praktischer politischer Arbeit im lokalen wie transnationalen Kontext.

Auch im Bereich Klimagerechtigkeit ist Njeri seit vielen Jahren aktiv, die Klimapolitik aus einer dekolonialen Perspektive zu denken. Sie macht darauf aufmerksam, dass aktuelle Debatten über Klimawandel, Nachhaltigkeit und Transformation häufig von Perspektiven dominiert werden, die koloniale Machtverhältnisse und historisch gewachsene Ungleichheiten ausblenden. Vor diesem Hintergrund setzt sie sich dafür ein, klima- und umweltpolitische Diskurse konsequent mit indigenen Wissenssystemen und den Erfahrungen von Communities im Globalen Süden zu verbinden. In Vorträgen und öffentlichen Diskussionen hebt sie die Bedeutung der Umweltaktivistin und Nobelpreisträgerin Prof.in Wangari Maathai und zeigt auf, wie deren Verbindung von ökologischer Praxis, feministischer Politik und Community-basierter Wissensproduktion wichtige Impulse für gegenwärtige Klima- und Transformationsdebatten in Deutschland und Europa liefert.
Im Jahr 2020 kandidierte Njeri zudem als Direktkandidatin für den Kölner Stadtrat für die umweltpolitische Wählergruppe Klima Freunde und brachte damit ihre Perspektiven zu Klimagerechtigkeit, sozialer Verantwortung und demokratischer Transformation auch unmittelbar in den kommunalpolitischen Raum ein.

In ihrem Denken und politischen Handeln orientiert sich Njeri an der afrikanischen Philosophie des Ubuntus/ Utu. Ubuntu/Utu – ist dabei nicht nur ein philosophisches Konzept, sondern vor allem eine gelebte ethische Praxis. Es beschreibt ein Verständnis von Menschlichkeit, das auf gegenseitiger Verantwortung, Würde, Fürsorge und Verbundenheit beruht: Ein Mensch wird erst durch andere Menschen zum Menschen.
Für Njeri Rahab bedeutet diese Perspektive, Wissen, Politik und gesellschaftliches Handeln immer im Verhältnis zur Gemeinschaft zu denken. Ubuntu in der Praxis heißt, Verantwortung füreinander zu übernehmen, Ungerechtigkeit nicht hinzunehmen und solidarische Formen des Zusammenlebens aktiv zu gestalten. In diesem Sinne versteht sie ihre wissenschaftliche und gesellschaftliche Arbeit als Beitrag zu einer demokratischen Kultur, die auf gegenseitiger Anerkennung, Teilhabe und kollektiver Verantwortung basiert. Auf dieser Grundlage arbeitet Njeri an Strategien für soziale Gerechtigkeit, kritische Diversität und institutionellen Wandel, insbesondere im Kontext von Hochschulen, politischen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Räumen. Ihr Ansatz verbindet wissenschaftliche Analyse mit praktischer Transformationsarbeit und zielt darauf ab, Strukturen von Rassismus, kolonialer Kontinuität und Ausschluss sichtbar zu machen und nachhaltig zu verändern.
Neben ihrer Arbeit in Deutschland engagiert sich Njeri auch transnational im Aufbau akademischer Kooperationen und Bildungsinitiativen. Sie ist Mitgründerin des African Institute of Professional Development Studies (AIPDS) an der Universität Eldoret in Kenia. Das Institut fördert berufliche Weiterbildung, internationale akademische Kooperationen sowie den Austausch von Wissen zwischen afrikanischen und europäischen Institutionen und trägt damit zur Stärkung globaler Wissensnetzwerke bei.
Ein weiterer zentraler Bestandteil ihres Engagements ist die Förderung afrikanischer Sprachen und Wissenssysteme. Njeri ist Gründerin der KEMET Awards for Achievement in African Languages (KAAAL Awards). Diese Initiative würdigt, dokumentiert und archiviert herausragende Leistungen im Bereich afrikanischer Sprachen – sowohl auf dem afrikanischen Kontinent als auch in der Diaspora. Unter der Schirmherrschaft des renommierten Schriftstellers und Intellektuellen Prof. Ngũgĩ wa Thiong’o(1938-2025)) setzen die KAAAL Awards ein starkes Zeichen für die Bedeutung afrikanischer Sprachen als Grundlage kultureller Selbstbestimmung, als Medium dekolonisierter Wissensproduktion und als Brücke zwischen Generationen der Diaspora. Für ihr Engagement wurde Njeri im Jahr 2023 für die AFRONEWS Awards in der Kategorie Best African Scholar in Germany nominiert. Die Nominierung würdigt ihr wissenschaftliches und gesellschaftliches Engagement in Deutschland.
Derzeit arbeitet Njeri als Beraterin für Rassismuskritik und Koordination & Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Antisemitismuskritik an der Universität zu Köln. Dort entwickelt und begleitet sie Strategien und Prozesse zur Bekämpfung von Rassismus und struktureller Diskriminierung und unterstützt die Universität beim Aufbau nachhaltiger Strukturen für mehr Chancengerechtigkeit und Teilhabe. Gleichzeitig berät sie Beschäftigte, die rassistische Diskriminierung erfahren, und begleitet Fakultäten sowie Verwaltungseinheiten bei der Entwicklung und Umsetzung diskriminierungskritischer und rassismuskritischer Strategien.
Njeris Arbeit steht für eine Wissenschaft und Praxis, die demokratische Institutionen stärkt, marginalisierte Perspektiven sichtbar macht und solidarische Formen des Zusammenlebens fördert. Ihr Engagement verbindet Forschung, politische Bildung und gesellschaftliche Transformation – getragen von der Überzeugung, dass gerechtere Institutionen und nachhaltige Demokratien nur entstehen können, wenn unterschiedliche Erfahrungen, Stimmen und Wissensformen ernst genommen, miteinander in Dialog gebracht und als Grundlage gemeinsamen Handelns verstanden werden. Auf dieser Basis arbeitet sie daran, Räume zu schaffen, in denen Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und gemeinsam an einer Zukunft der Teilhabe und Gerechtigkeit
gerechteren Zukunft arbeiten.
Rahab Njeri