Dass das Bergisch Gladbacher Familienunternehmen Zanders fast 200 Jahre lang Bestand hatte, ist nicht zuletzt den geschäftstüchtigen Ehefrauen der Firmeninhaber zu verdanken. Zu ihnen gehörte auch Olga Zanders, die die Papierfabrik nach dem frühen Tod ihres Mannes Hans Wilhelm 1915 erfolgreich weiterführte.

Olga Zanders – jung

Olga Peltzer, Tochter eines aus Deutschland stammenden protestantischen Tuchfabrikanten, wurde am 31. März 1872 im belgischen Verviers als drittes Kind der Familie geboren. Aufgrund der hervorragenden Wasserqualität war die Stadt bis weit ins 20. Jahrhundert bekannt als Zentrum des Wollhandels und der Textilindustrie. Das kaufmännische Talent wurde Olga also gewissermaßen in die Wiege gelegt. Durch Heirat verschlug es sie dann nach Bergisch Gladbach, damals eine Kleinstadt mit nur 9 500 Einwohnern, aber einer florierenden Papierindustrie.

Am 1. Februar 1893 heiratete sie den Papierfabrikanten Hans Wilhelm Zanders (1861-1915). Ihr Mann führte das Familienunternehmen bereits in dritter Generation. Aber ohne die geschäftstüchtigen Frauen der Zanders hätte es für die Firma wohl schlecht ausgesehen.

Nachdem Johann Wilhelm Zanders die Papierfabrik 1829 gegründet hatte, starb er bereits zwei Jahre später. Seine erst 27-jährige Witwe Julie (1804-1869), Mutter von vier Kindern, stellte sich nun an die Spitze des Unternehmens und führte es erfolgreich weiter. 1848 übernahm dann der älteste Sohn Carl Richard die Führung. Produziert wurde damals vor allem hochwertiges Briefpapier.

Nach dem Tod von Carl Richard Zanders im August 1870 war es wiederum seine Witwe Maria (1839-1904), die künftig die Geschicke der Papierfabrik lenkte. Dass man das einer Frau nicht zutraute, beweist die Tatsache, dass man sowohl ihr als auch ihrer Schwiegermutter Julie dringend geraten hatte, das Unternehmen zu verkaufen. Doch beide setzten sich durch. Die geschäftstüchtige Maria konnte die Firma sogar noch vergrößern. Die Papierherstellung boomte, der Papierbedarf für Verwaltungsaufgaben und neue Druckerzeugnisse war gewaltig. Selbstbewusst ließ Maria 1873 im Zentrum von Bergisch Gladbach die Villa Zanders errichten, die heute ein Kunstmuseum beherbergt.

Olga Zanders auf der Terrasse der Villa Zanders

Auch Olga setzte die Reihe der kaufmännisch talentierten Ehefrauen fort. Nach der Hochzeit bezog sie mit ihrem Mann eine repräsentative Villa Ecke Hauptstraße/Odenthaler Straße (heute Kulturhaus Villa Zanders), damals Wilhelmstraße 143. Sechs Kinder gingen aus der Ehe hervor, deshalb zog man 1904 nach dem Tod von Maria Zanders in die von ihr erbaute Villa, die den Ansprüchen der großen Familie mehr zusagte. Doch auch Olga Zanders verlor ihren Mann frühzeitig, Hans Wilhelm starb 1915 im Alter von 53 Jahren.

Der 1899 geborene Sohn Johann Wilhelm (+ 1978) war noch zu jung, um die Leitung der Papierfabrik zu übernehmen. Hinzu kam, dass er 1916 an die Front musste. Wieder lag das Fortkommen der Firma in den Händen einer Frau, Olga Zanders. Und das blieb so bis zum 100-jährigen Firmenjubiläum 1929, erst dann übernahm Johann Wilhelm Zanders.

Doch es fehlte Olga Zanders nicht an sachkundiger Unterstützung. Vor allem eine Frau stand eng an ihrer Seite: Alexe Altenkirch (1871-1943), die schon seit 1904 mit der künstlerischen Gestaltung der Werbung für Zanders zuständig war. Auf der Weltausstellung in Brüssel 1910 hatte sie für die Gestaltung des Standes der Firma Zanders die Goldmedaille erhalten. Seit 1923 lehrte sie als Professorin für Malen und Zeichnen an der Kölner Werkschule und entwickelte auch den Zanders-Stand auf der PRESSA 1928, der internationalen Presseausstellung in Köln.

… mit Sohn und zwei anderen Personen    

Inzwischen hatte sich zwischen Olga Zanders und Alexe Altenkirch eine enge Beziehung aufgebaut. Beide Frauen unternahmen gemeinsame Reisen und gingen zusammen zu gesellschaftlichen Ereignissen, zum Beispiel den Veranstaltungen des Kölner Frauenclubs oder der Künstlerinnenvereinigung GEDOK. Olga Zanders und Alexe Altenkirch selbst gehörten zu den Gründerinnen der „Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“. Die Kölner Ortsgruppe entstand am 4. November 1929. Der Verein setzte sich für die gleichberechtigte Anerkennung von Frauen in der Kunstwelt ein – bis heute.

 Eine Zeitlang pendelten sie zwischen Köln und Bergisch Gladbach hin und her, lebten abwechselnd in der Theresienstraße 65 in Köln-Lindenthal und in der Villa Zanders in Bergisch Gladbach. Nachdem Olga Zanders die Villa 1932 verkauft hatte, die nun zum Kreishaus der neuen Kreisstadt Bergisch Gladbach wurde, bezog sie erneut das Anwesen in der Wilhelmstraße, in dem sie als junge Frau mit ihrer Familie gelebt hatte. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die allerdings 1933 in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Hier wohnte auch Alexe Altenkirch, bis sie 1938 an Parkinson erkrankte und zu ihrer Schwester nach Bad Kreuznach zog, wo sie 1943 starb.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verließ Olga Zanders das von Bombardierungen bedrohte Bergisch Gladbach und kam zunächst in Gummersbach, dann in Rinteln an der Weser unter. Erst im Juli 1945 kehrte sie wieder heim.

Betrübt musste sie feststellen, dass die Papierfabrik durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt worden war. Ihren Wiederaufbau hat sie leider nicht mehr miterlebt. Olga Zanders starb – für die Familie überraschend – am 30. Dezember 1946 in Bergisch Gladbach und wurde im Familiengrab auf dem Evangelischen Friedhof Quirlsberg beigesetzt.

Das Papierunternehmen florierte noch lange Zeit, bis es im 21. Jahrhundert rote Zahlen schrieb. Mehrfach wechselte es den Besitzer, bevor es Ende April 2021 endgültig geschlossen wurde. Damit endete auch für die Stadt Bergisch Gladbach ein bedeutendes Kapitel Wirtschaftsgeschichte.

Im September 2025 wurde am ehemaligen Firmengelände eine Gedenktafel angebracht, die an Olga, Maria und Julie Zanders erinnert. Die drei Frauen sind Teil des Projekts „FrauenOrte NRW“, mit dem landesweit herausragende weibliche Persönlichkeiten ausgezeichnet werden.

Olga Zanders mit Alexe Altenkirch   

Karin Feuerstein-Prasser

Quelle:

  • Lobpreis der Weiblichkeit. Frauen von und bei Zanders. Lebensbilder aus drei Jahrhunderten herausgegeben zum 40-jährigen Jubiläum der Stiftung Zanders – Papiergeschichtliche Sammlung von Magdalene Christ. Joh. Heider Verlag Bergisch Gladbach 2017. ISBN 978-3-87314-502-3 (vorhanden beim Kölner Frauengeschichtsverein)

Olga Zanders – Wikipedia abgerufen 15.11.2025

Alexe (Alexandra) Altenkirch | Kölner Frauen*Stadtplan  abgerufen 15.11.2025

Olga Zanders, 60 Jahre