Husch Josten, geboren am 12. Mai 1969 in Köln als Hildegard Woopen, ist Schriftstellerin und Journalistin. Ihren Rufnamen „Husch“ erhielt sie im Alter von zwei Jahren von ihrer Mutter, der der altdeutsche Vorname zu streng für das Wesen ihres jüngsten von vier Kindern erschien. Von diesem Tag an nannte sie niemand mehr Hildegard – und so fanden beide Namen schließlich ihren Platz im Pass.

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Aufgewachsen im kulturell vielfältigen Rheinland, entwickelte Josten früh eine Leidenschaft für Sprache und Erzählen. Ihr Vater, Wirtschaftsjurist, war ein begeisterter Leser und Büchersammler, die Mutter las, musizierte und engagierte sich kulturell. Zahlreiche Reisen sowie die intensive Beschäftigung mit Literatur und Musik prägten die Kindheit und Jugend von Husch Josten und ihren drei Geschwistern – Grundstein für eine weltoffene Perspektive, wie sie sich auch in den internationalen Schauplätzen und Themen ihrer Romane widerspiegelt.

Nach dem Abitur 1988 am Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasium in Köln studierte Josten Geschichte und Staatsrecht in Köln und Paris. Während und nach dem Studium arbeitete sie als Journalistin in Köln und Paris für Tageszeitungen und Magazine und absolvierte ihr Volontariat bei der Kölnischen Rundschau. Anschließend leitete sie – um „die andere Seite des Tisches kennenzulernen“ – mehrere Jahre die Pressestelle der Kölnarena (heute LANXESS arena). Mitte der 2000er-Jahre lebte sie in London und arbeitete dort als Autorin für verschiedene Medien, bevor sie sich ganz dem literarischen Schreiben zuwandte.

Die Jahre in europäischen Metropolen schärften ihren Blick für gesellschaftliche Entwicklungen und individuelle Lebensentwürfe – Themen, die ihre literarischen Figuren prägen. Ihr Debüt gab Husch Josten 2011 mit In Sachen Joseph, der für den aspekte-Literaturpreis nominiert wurde. Der Roman erzählt von Freundschaft, Erinnerung und der Suche nach Wahrheit und formuliert bereits zentrale Motive ihres Werks: Identität, Lebensentscheidungen und die Brüchigkeit menschlicher Gewissheiten. Es folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen, darunter Das Glück von Frau Pfeiffer (2012), der Erzählband Fragen Sie nach Fritz (2013) und Der tadellose Herr Taft (2014). Mit den Romanen Hier sind Drachen (2017) und Land sehen (2018) festigte Josten ihren Ruf als den einer Autorin, die existenzielle Fragen mit erzählerischer Leichtigkeit verbindet. 2021 erschien Eine redliche Lüge, gefolgt von Die Gleichzeitigkeit der Dinge (2024), in denen sie gesellschaftliche und persönliche Umbrüche erneut literarisch reflektiert. Ihre Werke zeichnen sich durch feinsinnige Beobachtungsgabe, Ironie und eine klare, elegante Sprache voller Temperament aus, die auch ernste Themen zugänglich und zugleich persönlich macht.

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Durch die vielfältige Beschäftigung ihrer Figuren mit Fragen wie der nach dem Glauben, nach Tod, nach zentralen eigenen Werten und Leitlinien erschafft sie einen Echoraum, der die Leserschaft auffordert, sich selbst zu diesen Themen in Beziehung zu setzen – eine Einladung, der von Buch zu Buch immer mehr Menschen begeistert nachkommen.

Für ihr literarisches Schaffen erhielt Husch Josten mehrere Nominierungen und Auszeichnungen, darunter 2019 den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Auszeichnung würdigt ihr Werk als wichtigen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und unterstreicht ihre Bedeutung als Stimme ihrer Generation.

Jostens Schreiben ist geprägt von kosmopolitischen Erfahrungen und zugleich von einer tiefen Verwurzelung im Rheinland. Ihre Figuren bewegen sich voller Neugier, mit Lust und Aufgeschlossenheit zwischen Metropolen, Identitäten und Lebensentwürfen – Spiegel einer globalisierten Gegenwart, die die Autorin mit Empathie und kritischem Blick erkundet. Köln und Paris bleiben dabei nicht nur biographische Ausgangspunkte, sondern auch mentale Heimathäfen: Zwei Städte, deren Offenheit und kulturelle Vielfalt sich in Jostens literarischer Haltung und ihrem ansteckenden Esprit spiegeln. Als Kolumnistin für den Kölner Stadt-Anzeiger widmet sie sich in ihren „Gedankenspielen“ so humorvoll wie nachdenklich aktuellen politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Themen.

Husch Josten steht für eine moderne, reflektierte und selbstbewusst weibliche Perspektive in der deutschen Literatur. Sie erzählt von Menschen, die nach Orientierung suchen, gesellschaftliche Rollen hinterfragen und neue Wege wagen – Wege, die man gerne mit ihnen geht. Denn die wunderbare Melange aus geistiger Herausforderung und ansteckender Lebensfreude macht Husch Jostens Werke zu ganz großen Lesevergnügen.

Felicitas von Lovenberg