Als Elfriede Fulda 2015 im Alter von 93 starb, hinterließ sie ein umfassendes künstlerisches Vermächtnis, dessen Spektrum von Illustrationen, Ölgemälden, Mosaiken, Tapisserien bis hin zu Kirchenfenstern reichte. Ein Leben lang ist sie konsequent ihren Weg gegangen. So hat sie sich nicht nur erfolgreich gegen männliche Konkurrenten durchsetzen können. Elfriede Fulda besaß auch den Mut, sich in den 1950er Jahren nach einer gescheiterten Ehe als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern selbstständig zu machen – obwohl es immer wieder finanzielle Engpässe zu überwinden galt.

Elfriede Fulda 2004
Bildrechte: Angelika Fulda
Elfriede Fulda 2003
Bildrechte: Angelika Fulda

Geboren wurde sie als Elfriede Müller am 30. Mai 1921 in Köln-Ehrenfeld. Mit ihrem Vater, von Beruf Kunstschreiner, besuchte sie schon früh die Kölner Museen und andere Ausstellungen. Besonders beeindruckt war das junge Mädchen von der Präsentation der „Entarteten Kunst“, die 1937 zunächst in München, später auch in Köln gezeigt wurde. Damit wollte das NS-Regime moderne Künstler wie Paul Klee, Max Beckmann, Lovis Corinth, Franz Marc und viele andere verächtlich machen und der Lächerlichkeit preisgeben. Das konnte Elfriede Müller, die selbst gern malte und zeichnete, keineswegs nachvollziehen. Wieso bezeichnete man diese wunderbare Kunst als „entartet“?

Nach der Mittleren Reife 1937 absolvierte sie zunächst eine kaufmännische Lehre, besuchte aber parallel dazu Abendkurse in Werbegrafik und Aktzeichnen. Schon bald war klar, dass sie ihre berufliche Zukunft im künstlerischen Bereich sah. 1940/41 studierte sie daher Gebrauchsgrafik an der Meisterschule des Handwerks Köln. Als sie während des Zweiten Weltkriegs 1942 dienstverpflichtet wurde, arbeitete sie in Dessau bei den Junkers-Flugzeugwerken als Grafikerin und malte leidenschaftlich gern in ihrer Freizeit, vorwiegend Landschaftsaquarelle. Erstmals waren ihre Werke 1944 in einer Ausstellung in Werningerode im Harz zu sehen, später auch in der Galerie Stahl in Köln.

Die junge Künstlerin wollte sich unbedingt weiterentwickeln. Zwischen 1948 und 1950 absolvierte sie ein Studium an der Kunstakademie Stuttgart mit den Schwerpunkten Wandgestaltung, Mosaik und Glasfenster. Ihr erstes Kirchenfenster schuf sie 1950 für die wieder aufgebaute evangelische Kirche in Bösingen/Schwarzwald.

Im gleichen Jahr heiratete die Künstlerin in Stuttgart den ein Jahr jüngeren Architekturstudenten Reinhard Fulda, mit dem sie zwei Kinder bekam, Tochter Angelika (1951) und Sohn Ekkehard (1952). Es war zunächst Elfriede Fulda, die den Lebensunterhalt der Familie bestritt. Aufträge erhielt sie damals u.a. vom Stuttgarter Zoo „Wilhelma“, für den sie vor allem Plakate und Prospekte anfertigte. Die Tierplakate, die sie in den frühen Fünfziger Jahren entworfen hat, werden übrigens noch heute verkauft.

Nachdem ihre Ehe schon nach wenigen Jahren gescheitert war, zog Elfriede Fulda mit den Kindern 1955 zurück in ihre Heimatstadt Köln, wo sie im Stadtteil Neuehrenfeld in der Fridolin Straße 10 lebten. Hier hatte sie auch ihr Atelier, in dem sie weiterhin als freischaffende Grafikerin und Malerin arbeitete und vorwiegend Buchumschläge und Schallplattenhüllen illustrierte. Dabei musste sie sich gegen die zahlenmäßig deutlich überlegene männliche Konkurrenz durchsetzen. Doch ihr Können überzeugte Plattenfirmen wie Electrola und Columbia sowie den Brockhaus Verlag, für den sie lange gearbeitet hat.

Elfriede Fulda: Gedanken verbinden
Bildrechte: Peter Holtfreter

Ende der 1950er Jahre legte sie ihren künstlerischen Fokus erneut auf Kirchenfenster. Auch hier musste sie sich einem offiziellen Wettbewerbsverfahren stellen. Dass eine Frau den Mut hatte, in eine bislang männlich geprägte Domäne einzudringen, rief damals großes Staunen hervor. Doch Elfriede Fulda überzeugte auch hier. Zwischen 1959 und 1963 entstanden das Glasfenster der evangelischen Christuskirche in Rösrath-Forsbach (heute profanisiert), Glasfenster für die evangelische Familienbildungsstätte und Melanchthon-Akademie Köln, die Anfang des Jahres wegen des geplanten Neubaus ausgebaut und eingelagert wurden. 1963 folgte der anspruchsvolle Auftrag für die neu erbaute Versöhnungskirche in Neuehrenfeld: „Es war mir die Aufgabe gestellt worden, aufgrund von Römer 8.18 ff. bildhaft darzustellen, was der Apostel Paulus von der Not und der Hoffnung des gesamten Kosmos aussagt. Der Herrschaftsanspruch Gottes erstreckt sich über die sichtbare und unsichtbare Welt. Von ihm ist der Kosmos geschaffen mit allen lebendigen Wesen, mit seinen Gesteinen und physikalischen Kräften. Die Welt ist aber nicht mehr die, wie sie ursprünglich aus der Hand Gottes gekommen ist. Sie ist der Vergänglichkeit, der Nichtigkeit, dem Tode verfallen, weil in ihr die Macht des Bösen Raum gewonnen hat.

Um den Aufträgen der evangelischen Kirche gerecht zu werden, vertiefte sie sich in die Thematik durch Literatur und Gespräche. Geholfen hat ihr sicherlich die streng-religiöse Erziehung durch ihr Elternhaus, wenngleich sie sich dadurch eingeengt fühlte und schon in jungen Jahren gelöst hat.

Auch die zehn Glasfenster der Philipp-Nikolai Kirche in Köln Mauenheim hat Elfriede Fulda 1964 geschaffen. Nachdem das Gotteshaus 2022 abgerissen wurde, konnten zumindest zwei große Fenster in die neue Erlöserkirche in Weidenpesch integriert werden. Andere Teilstücke befinden sich heute in Besitz der Familie Fulda, im Neubau der Pfarrei und bei Mitgliedern der Gemeinde.

Das von Elfriede Fulda gestaltete Betonglasfenster für die Kapelle von Haus Wiesengrund in Überdorf bei Nümbrecht wurde 1965 eingeweiht und ist während der Öffnungszeiten zu bewundern.

Versöhnungskirche Köln-Ehrenfeld
Bildrechte: Angelika Fulda

Wie viele Künstler zog es auch Elfriede Fulda immer wieder in den sonnigen Süden mit seiner ganz besonderen Atmosphäre. Während längerer Aufenthalte auf der griechischen Insel Santorin wandte sie sich neuen Maltechniken zu, den sogenannten „Strukturbildern“, bei denen wasserversetzte Ölfarben auf einen mit Kleister versiegelten Karton gegossen und anschließend bearbeitet wurden. Daneben schuf sie auch weiterhin abstrakte Bilder und konnte so trotz gelegentlicher finanzieller Engpässe den Lebensunterhalt für sich und weitgehend auch für ihre Kinder finanzieren. Anfang der 1980er Jahre zog sie in die Hildegardisstraße 2 in Köln-Riehl, wo sie bis zu ihrem Tod gelebt hat.

Bis ins hohe Alter blieb Elfriede Fulda künstlerisch tätig. Sie starb am 14. Februar 2015 und fand auf dem Kölner Nordfriedhof ihre letzte Ruhestätte. Ihr Werk aber lebt weiter, nicht nur in Form der Kirchenfenster. In den vergangenen Jahren wurden ihr mehrere Retrospektiven gewidmet, u.a. die Ausstellung „Unvergessen“ in der Unterkirche von St. Engelbert in Köln-Riehl 2023. Vertreten war sie auch in der Kunsthalle Köln-Lindenthal, die im Frühjahr 2025 Arbeiten von Studierenden und Lehrenden der Kölner Werkschulen gezeigt hat.

Karin Feuerstein-Prasser in Zusammenarbeit mit Angelika Fulda

Quelle:

  1. Internetseite „Elfriede Fulda“ Künstlerportrait – Elfriede Fulda | Portrait der Malerin und Grafikerin
  2. Persönliche Informationen ihrer Kinder Angelika und Ekkehard Fulda