Im Jahr 1989, in dem Julia Komp in Engelskirchen im Bergischen Land geboren wurde, war Deutschland durch den Mauerfall und die Wiedervereinigung geprägt.
Beide Eltern waren berufstätig, und sie wuchs zusammen mit ihrem jüngeren Bruder auf. Arbeit, Mitarbeit und Leistung hatten in der Familie einen hohen Stellenwert, ohne dass Julia Komp ihre Kindheit als streng oder belastend empfand.


Julia verbrachte viel Zeit bei den Großeltern, die in der Nähe lebten. Diese führten ein eigenes Reisebüro, in dem Julia mithelfen und anpacken durfte, z.B. beim Herausgeben der Reiseprospekte oder beim Verkauf der Getränke im Reisebus. Nach der Arbeit folgte die Belohnung, indem die Familie gemeinsam eine Familienpizza speiste – im pädagogischen Sinne eine Sinn-, Lust- und Ziel-Erfahrung.
Besonders ihre Großmutter prägte Julia Komp: Sie beschreibt ihre Großmutter als moderne Frau, die gut kochen konnte und Spaß am Dekorieren hatte – familiäre Events wurden dank ihr immer zum echten Highlight. Gemeinsam verbrachten Julia und ihre Großmutter regelmäßig Urlaube in Tunesien. Noch heute sind für Julia Tunesien und die orientalische Küche „Quelle der Inspiration und Basis für ihre Spitzenküche“ (juliakomp.reisen)
Den Traum, Köchin zu werden, entwickelte Julia schon in ihrer Kindheit. Mit 14 Jahren hatte sie ihr eigenes Messer-Set und unterstützte bei der kulinarischen Vorbereitung der Familien-Parties.
So war schnell klar, dass sie nach der Schule eine Ausbildung als Köchin beginnen würde. Von ihrem Lehrherrn wurde sie bereits im zweiten Lehrjahr zur Stadtmeisterschaft im Kochen im Maritim Hotel angemeldet, nicht erst wie üblich im dritten Lehrjahr. Sie gewann und setzte sich als einziges Mädchen gegen 12 Jungen im dritten Lehrjahr durch.
Ihre Lust und ihr Ehrgeiz zu weiteren Wettkämpfen wuchsen.
Nachdem ihre Ausbildung zur Köchin im Gourmet-Restaurant „Zur Tant“ in Köln-Porz beendet war, sammelte sie von 2011 bis 2018 weitere Erfahrungen in gehobenen Restaurants. Parallel war sie sehr viel unterwegs, um mit der Jugendnationalmannschaft der Köche für internationale Wettkämpfe zu trainieren. Sowohl alleine als auch in Profikoch-Teams erhielt sie in vielen Ländern dieser Erde Preise. „Kreativität und Fingerspitzengefühl werden von allen gefragt sein, wenn Kulinarik auf Kunst trifft.“ (Olympiade der Köche). 2016 folgte dann die größte aller Auszeichungen, und Julia Komp wurde mit 27 Jahren die jüngste Sterneköchin Deutschlands.
Insgeheim hatte sie jedoch das Gefühl, noch nicht ausgelernt zu haben. So reiste Julia Komp 2019/2020 14 Monate lang um die Welt und besuchte Dutzende Länder – von Marokko bis Japan. Sie knüpfte persönliche Kontakte, ließ sich von unbekannten Zutaten inspirieren und baute berufliche Netzwerke in der ganzen Welt auf. 2020 kehrte sie mit vielen Rezepten im Handgepäck nach Köln zurück.
Hier erfüllte sich auch ihr privates Glück, und sie lernte ihren Partner Yunus Özanar kennen, der gerade von einer Reise aus Brasilien zurückkam. Die Pandemie verbrachte Julia Komp schließlich im Restaurant ‚Lokschuppen‘ am Rhein. Das „Menü-to-go“, welches Gäste zuhause leicht selbst zubereiten konnten, wurde stadtbekannt: Kölsches Fine Dining als Take-away.
2022 eröffnete Julia Komp gemeinsam mit ihrem Partner Yunus Özanar zwei Restaurants im Zentrum von Köln gegenüber dem Aggrippabad:Das Sahila- (Anführerin der Sterne) Restaurant und die Mezzebar Yu*lia mit orientalischen und mediterranen Gerichten. Beide Lokale liegen nebeneinander und haben eine gemeinsame Küche. Julia ist nicht nur Inhaberin, sondern auch Küchenchefin. Ihr Partner Yunus Özanar übernimmt den finanziellen Part und arbeitet im Service als Gastgeber.
Auch heute noch sind Frauen Ausnahmen unter den Sterneköch:innen: nur vier Prozent sind weiblich. Julia Komp führt ihren Erfolg auf ihre Beständigkeit zurück. Zudem beinhaltet das Erfolgsrezept ‚Leidenschaft, gepaart mit einem feinen Gespür für Aromen‘ – wie auf der Speisekarte zu lesen ist. Der Sterneköchin sind Geduld und Langsamkeit beim Kochen wichtig – auch als Gegenentwurf zum schnellen Takt des Lebens. Sie sagt beispielsweise, man könne Butter schmelzen lassen oder so stark erhitzen, dass sie am Rand verbrennt, während sie innen noch hart ist.
Auch in der internationalen Küche setzt Julia auf Regionalität, indem sie versucht, Produkte aus Übersee durch geschmacksähnliche regionale Produkte zu ersetzen. Sie achtet auf artgerechte Tierhaltung und folgt der Philosophie des CrowdFarming: Südfrüchte nachhaltig angebaut, frisch, saisonal und direkt vom Hof.
Liebe zu den Produkten und Lust auf die unterschiedlichsten Aromen sind der Grund dafür, dass das Kochen ihr nach wie vor große Freude macht.
Ambitionen sind Julia Komp wichtig – sie geht den eigenen Weg konsequent und bleibt dabei neugierig auf all die neuen Gerichte, die es zu entdecken und kochen gibt. Auch wenn sie sich mit dem Michelin-Stern einen großen Traum erfüllt hat, gibt es für sie weitere Ziele im Leben:
Sie strebt einen zweiten Michelin-Stern an und wünscht sich, irgendwann Mutter zu werden, um weiterzugeben, was sie selbst als Kind und als erwachsene Frau erlebt und gelernt hat.
Gabriele Grewe, auf der Basis eines Interviews mit Julia Komp am 15.1.2026