Die Fotografin und Autorin studierte an der „Deutschen Film- und Fernsehakademie“ in Berlin. Ihre ersten Filme wurden vielfach ausgezeichnet. Ab 1990 setzte Flitner den Hauptakzent auf ihre Arbeit als Fotografin. Seit 1992 ist sie Mitglied der Fotoagentur laif. Flitners Arbeitsschwerpunkte sind bis heute: Porträts, kulturpolitische Essays und sozialkritische Reportagen weltweit. Sie verstärkte über die Jahre zunehmend den Textanteil zu ihren Bildern: von Zitaten bis hin zu Porträts und Reportagen.

Ab Anfang der 1990er Jahre arbeitet Flitner systematisch mit der Kombination von Bild und Text. Ihre Fotoessays haben oft seriellen Charakter. Erstes Aufsehen erregt sie mit ihrer „Reportage aus dem Niemandsland“, einer Fotoserie über Menschen aus West und Ost beim Mauerfall 1989. In den folgenden Fotoessays greift sie weitere sozial- und kulturpolitische Themen auf: Für die Serie „Nachbarn“ fährt Bettina Flitner nach den rassistischen Angriffen von Deutschen auf ihre Nachbarn aus Mozambique und Vietnam 1991 nach Hoyerswerda. Dort fotografiert und befragt sie die Menschen, die jahrelang scheinbar friedlich Wand an Wand gelebt hatten.
2014, 25 Jahre nach dem Mauerfall, geht sie auf Spurensuche in der ehemaligen DDR: Flitner lebt ein paar Sommerwochen in dem mecklenburgischen „Sozialistischen Musterdorf Mestlin“ und fragt die Einwohnerinnen und Einwohner: „Was war die DDR für Dich?“ Sie stellt die Arbeit in Mestlin aus und löst damit eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit aus.

Bettina Flitner stellt ihre Arbeiten ab Anfang der 1990er Jahre zunehmend im öffentlichen Raum aus, als Projektionen oder überlebensgroße Fotoskulpturen. So ihre Trilogie „Mein Feind – Mein Denkmal – Mein Herz“, mit der sie „den Kunstbetrieb infiltrierte und seine Grenzen sprengt“ (Klaus Honnef). Nicht nur ihre Installationen im öffentlichen Raum lösen immer wieder kontroverse, ja heftige Debatten bei Menschen wie Medien aus. So auch ihre preisgekrönte Arbeit „Ich bin stolz, ein Rechter zu sein“ über rechtsradikale Jugendliche, die sie in Bild und Zitat in ihrer ganzen Ambivalenz zeigt. Die Jury der „Rückblende 2000“ über die Serie: „Aus den Bildern spricht genau das, was Hannah Arendt vor Jahrzehnten die ‚Banalität des Bösen‘ nannte“. Mit dieser Arbeit geht Flitner erstmals aus dem öffentlichen Raum in den traditionellen Kunstbetrieb, mit einer beklemmenden Rauminstallation auf der ART Cologne, über die die Zeitschrift ART schreibt: „Der größte Medienrummel wurde Förderkünstlerin Bettina Flitner zuteil, die als einzige mit ihrer Fotoinstallation ‚Ich bin stolz, ein Rechter zu sein‘ eine Arbeit mit politischem Bezug zeigte.“
2004 erscheint Bettina Flitners Portraitband „Frauen mit Visionen“. Sie bereist dafür ganz Europa und porträtiert Frauen, die den Kontinent geprägt haben: Staatschefinnen wie Menschenrechtlerinnen, Künstlerinnen wie Schriftstellerinnen. Das Porträtieren weiblicher „Role Models“ setzt Flitner fort, so auch 2008 mit dem Buch „Frauen die forschen“, für das sie 25 deutsche Spitzenforscherinnen fotografiert.

2012 folgt das Buch „Boatpeople“, eine poetische und humorvolle Arbeit, für die sie Menschen in eine Fischerbarke aus Myanmar setzt, am Ufer des Rheins. Ebenfalls 2012 veröffentlicht sie den Fotoband „Reisen in Burma“ (mit Texten von Alice Schwarzer). 2014 erscheint ihr Foto/Textband „Das Prinzip Apfelbaum“, eine Auftragsarbeit für 19 gemeinnützige Organisationen. Elf Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens setzen sich, fotografiert und interviewt von Flitner, mit der Frage auseinander, was von ihnen bleiben soll nach ihrem Tod: vom Schriftsteller Günter Grass bis hin zur Musikerin Anne-Sophie Mutter. 2021 erscheint ihr Foto- und Textbuch „Väter & Töchter“ mit 18 Geschichten über ermutigende Väter und starke Töchter.
Für das Zeitgenössische Forum Leipzig realisiert Flitner im November 2015 die Arbeit „Flucht, Asyl – wir müssen reden“. Dazu befragt und fotografiert sie Leipzigerinnen und Leipziger zu der Frage „Schaffen wir das?“ Die großformatigen Bilder wurden im Forum ausgestellt. Ihre Foto/Video-Installation „Der König von Deutschland“ von 2019 ist eine Dauerausstellung im Zeitgenössischen Forum Leipzig.
In den folgenden Jahren macht sie verstärkt Reportagen weltweit, über Hexenverbrennungen heute in Papua Neuguinea, Traumatherapie in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Ostkongo oder das Alltagsleben im abgeschotteten Nordkorea. In Deutschland widmet sie sich immer wieder sozialkritischen Themen wie mit der Arbeit „Der Täter geht“, 2020, Portraits und Lebensgeschichten von Männern, die ihre Frauen geschlagen haben. – „Bettina Flitner ist unter den deutschen Fotografinnen eine der eigenwilligsten und interessantesten“ (Deutsche Welle).

Ihren ersten Roman veröffentlicht Bettina Flitner 2022. In „Meine Schwester“ verarbeitet sie den Suizid ihrer Schwester. Das Buch ist wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Im Herbst 2025 folgt ihr zweiter Roman „Meine Mutter“. Bettina Flitner veröffentlichte bis heute 14 Foto-/Text-Bücher. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen in Deutschland und weltweit gezeigt und vielfach ausgezeichnet.
Verzeichnis der Werke unter www.bettinaflitner.de

Bettina Flitner