Auch im digitalen Zeitalter hat der „Kölner Stadt-Anzeiger“ noch immer zahlreiche Leserinnen und Leser, die ihre Tageszeitung in gedruckter Form bevorzugen. Das Blatt steht in der Tradition der „Kölnischen Zeitung“, die seit 1802 in der Druckerei Schauberg verlegt wurde. Es waren zwei Frauen, die das Unternehmen damals führten: Katharina Schauberg und ihre Schwester Gertrud.

Im 18. und 19. Jahrhundert war es durchaus üblich, dass auch Frauen eine Druckerei erbten und erfolgreich leiteten. Eine von ihnen war Dorothea Menn, geborene Schauberg, eine Tante von Katharina und Gertrud. Nach ihrem Tod 1789 ging das Unternehmen an die beiden Nichten über, die Töchter ihres Bruders, des Düsseldorfer Notars Joseph Schauberg.

Zunächst war es Gertrud, die als Ältere die Geschäftsführung übernahm. Die am 2. Februar 1779 geborene Katharina war damals noch zu jung, aber es dauerte nicht lange, bis auch sie sich die notwendigen wirtschaftlichen Kenntnisse erarbeitet hatte. Beiden Frauen ist es zu verdanken, dass 1802 gleichsam die Geburtsstunde des „Kölner Stadt-Anzeigers“ schlug. In diesem Jahr erwarben sie die vom vormaligen Bürgermeister Nikolaus DuMont gegründete und herausgegebene „Kölnische Zeitung“, die fortan in ihrem Hause gedruckt wurde. Die Anfänge waren allerdings bescheiden, denn das Blatt hatte eine Auflagenstärke von nur 250 Exemplaren.

Das änderte sich, als Marcus DuMont (1784-1831), ein Neffe des Verlegers, die Druckerei Schauberg mit Sitz in der Straße „Unter Goldschmied 24“ am 10. Juni 1805 für 1.400 Taler erwarb – und im Monat darauf Katharina Schauberg heiratete. Seitdem trägt das Unternehmen den Namen „DuMont-Schauberg“, unter dem es bis heute firmiert. Marcus DuMont wurde neuer Geschäftsführer, zumindest nominal.

Zunächst arbeitete Gertrud Schauberg weiter in der Druckerei, stieg allerdings 1811 aus der Firma aus. Die Gründe sind unbekannt. Jetzt war es Katharina, die sich um das Tagesgeschäft kümmerte, während sich ihr intellektueller Mann eher als Redakteur der „Kölnischen Zeitung“ betätigte, durchaus mit Erfolg. Unter seiner Leitung stieg die Auflagenstärke bis 1809 auf immerhin 400 Exemplare.

Gemälde Egigius Mengelberg
Bildrechte: DuMont Mediengruppe
Grabstätte der Familie DuMont auf dem Melatenfriedhof

Die Aufgabenteilung funktionierte, auch wenn Katharina in den nächsten Jahren zwölf Kinder zur Welt brachte, die jedoch nicht alle überlebten. Wie aus einer zeitgenössischen Quelle hervorgeht, kümmerte sie sich um die Anzeigenkunden und erledigte die Behördengänge. Vermutlich war sie auch für Kalkulation und Buchhaltung zuständig. Marcus DuMont hatte jedenfalls eine vielseitig begabte Partnerin an seiner Seite, auf die er sich vollständig verlassen konnte. Oder, wie der Firmenhistoriker Weinhold schreibt: „Seine Frau hat ihn zeitlebens mit geschäftlichen Dingen verschont.“

Dabei waren die Zeiten nicht einfach. Köln war seit 1794 von den Franzosen besetzt und litt nicht unerheblich unter den Repressionen. Auf Befehl der Besatzungsmacht durfte die „Kölnische Zeitung“ zwischen 1809 und 1814 nicht mehr erscheinen. Doch das Team DuMont-Schauberg schaffte auch diese Durststrecke. Nach dem Abzug der Franzosen blühte die „Kölnische Zeitung“ wieder auf und entwickelte sich zu einer der wichtigsten deutschen Publikationen. Schon bald erfreute sich die Familie eines soliden Wohlstands.

Katharina hatte derweil alle Hände voll zu tun. Ihr oblag nicht nur die – faktische – Geschäftsführung, sie musste sich auch um die wachsende Kinderschar kümmern – und nicht zuletzt als „Dame des Hauses“ gesellschaftliche Verpflichtungen übernehmen. Im Hause DuMont spielten Kunst und Kultur eine maßgebliche Rolle. Musiker, Künstler und Kunstsammler gaben sich gleichsam die Klinke in die Hand, wobei Franz Ferdinand Wallraf (1748-1824), ein Universalsammler und früherer Rektor der Kölner Universität, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand. Sein Interesse galt allen Objekten, die mit der Stadt Köln und deren Geschichte zusammenhingen. In seiner Wohnung häuften sich die Raritäten, angefangen von römischen Altertümern bis hin zu zeitgenössischer Kunst, womit Wallraf bekanntlich den Grundstein für die Kölner Museumslandschaft legte. Noch aber beherbergte er alles in seiner Wohnung, es wurde immer enger und Besucher berichteten von chaotischen Zuständen. Wie ein Tagebucheintrag verrät, wollte die resolute Katharina hier Abhilfe schaffen: Sie ließ es sich nicht nehmen, von Zeit zu Zeit nachzusehen, „ob nicht wenigstens Wallrafs Schlaf- und Wohnzimmer von dem chaotischen Durcheinander freigehalten werden könne.“ Leider ohne Erfolg: „Doch wie sie heute aufgeräumt, gestaubt und gesäubert hatte, lag morgen wieder der bunteste Haufen von Büchern, Bildern, Mineralien und Novitäten.“

Aber auch Wallrafs leibliches Wohl lag Katharina am Herzen: „Um die Mittagszeit verließ Wallraf sein Haus, um zu Familie DuMont-Schauberg auf der Brückenstraße zu gehen, wo man so gastfreundlich war, seine Lieblingsspeisen zu bereiten. Katharina nahm sich des verehrten Sonderlings an, sorgte für Kleider und Wäsche, ohne je die Geduld zu verlieren und versuchte vergeblich, seine Wohnung in Ordnung zu bringen.“

Doch dann rückte wieder das Geschäft in den Vordergrund. Marcus DuMont starb am 24. November 1831 im Alter von 47 Jahren und wurde auf dem Kölner Melatenfriedhof beigesetzt. Jetzt übernahm die resolute Katharina erneut die Leitung des Verlags, gemeinsam mit ihrem 1811 geborenen Sohn Joseph. Erst 1844 zog sie sich aus dem Unternehmen zurück und starb ein Jahr später am 25. März 1845 mit 66 Jahren. Schon damals hatte sich die „Kölnische Zeitung“ zu einem der wichtigsten liberalen Blätter entwickelt und schrieb auch weiter Erfolgsgeschichte.

Der Anteil, den Katharina DuMont daran gehabt hat, geriet in Vergessenheit. Auch in wikipedia und in der Verlagsgeschichte von DuMont werden die Verdienste von Katharina nicht angemessen genannt. Der DuMont Brunnen in der Breite Straße erinnert an Marcus DuMont, nicht aber an seine Frau und Partnerin Katharina.  

Erst als man 2014 den Kölner Rheinauhafen neu eröffnete und sechs Straßen und Plätze nach verdienstvollen Kölnerinnen benannt wurden, ehrte man die einstige Druckerei-Besitzerin mit der Katharina-Schauberg-Promenade.

Karin Feuerstein-Prasser

Quellen:

Material des Kölner Frauengeschichtsvereins

DuMont Mediengruppe – Wikipedia abgerufen 15.11.2025

Unsere Geschichte – Dumont abgerufen 15.11.2025

Archiv der DuMont Mediengruppe GmbH & Co. KG