Das „Kingdom of Cologne“ ist 2001 entstanden, als Kölscher Teil eines großen Drag King Netzwerks. Bis heute ist es ein freies Kollektiv ohne Vereinsstrukturen o.ä. Was mit einem kleinen E-Mail-Verteiler und gelegentlichen Treffen anfing, wuchs schnell zu einer regelmäßigen Partyreihe mit Drag King Performances im damaligen SCHuLZ (Kölner Schwulen und Lesben Zentrum, 1985-2003, zuletzt am Kartäuserwall). Hinzu kamen monatliche Stammtische („Tafelrunde“) und Filmabende, des Weiteren Workshops und Kleinkunstabende.
Es gab selbstverständlich Kooperationen mit anderen queeren Gruppen in Köln wie etwa „queergestellt“, Teilnahmen beim CSD wie auch bei alternativen CSD-Demos. Auch eine Drag King Zeitschrift entstand: „Die Krone & ich“. Hier wurden, wie in der Yellow Press, „königliche“ Nachrichten und Unterhaltung verbreitet, aber auch sehr ernsthaft von Gastautor*innen queer feministische Diskurse und ihre Vertreter*innen vorgestellt.

Im Laufe der Jahre veränderte sich so einiges: Das Schulz war weg, aus dem CSD wurde die Pride. Auch von einigen unserer Errungenschaften mussten wir Abschied nehmen: Der Stammtisch schlief ein, die Zeitung wurde nach der 9. Nummer (2003-2007) eingestellt. Dennoch wurden vom nunmehr verjüngten Orgateam weiter Partys mit Kölner, überregional bekannten und sogar internationalen Drag Kings veranstaltet: Die AUSNAHME-Party war als „Party für Drag Kings, Lesben und Trans*“ an den Start gegangen; wir wollten aber immer auch mehr, nämlich Queerness und Feminismus verbinden und dabei alle Geschlechtergrenzen gründlich niedertanzen. In all den Jahren haben wir nicht auf unsere Basics verzichtet: eine Bühnenshow mit Drag Kings, Trans* & Friends, diverse DJs von befreundeten Partys und vor allem unsere allerliebste Styling Corner, die zum individuellen DRAG einlädt: Wer Bart tragen möchte, bastelt sich einen; Berge von Schminke und Second-Hand-Klamotten laden zur nächtlichen Verwandlung ein: Alles ist möglich!
Das Kingdom of Cologne versteht Drag nicht allein als Performance, sondern vor allem als Mittel, Geschlechterklischees zu spiegeln, zu brechen und gesellschaftliche Erwartungen sichtbar zu machen. In diesem Sinn werfen wir einen intersektionalen, feministischen Blick auf unsere Welt allgemein, aber im Besonderen auf noch immer wirkende Geschlechternormen als gesellschaftliches Zwangssystem. Wir betonen die Vielfalt geschlechtlicher Selbstverortungen im Spektrum trans* und richten uns ausdrücklich an nichtbinäre Personen, die in binären Kategorien keinen Platz finden. Wir versuchen, Perspektiven und Lebensrealitäten, die historisch oft unsichtbar gemacht wurden, zu Aufmerksamkeit und auch Bewunderung zu verhelfen, wohl wissend, dass Sichtbarkeit, Anerkennung und Zugang zu Informationen und Community nicht für alle gleichermaßen gegeben sind. Im Kingdom of Cologne haben wir uns – eher weit weg von akademischen Diskursen – mit der praktischen Anwendung beschäftigt. Die von uns gestalteten Räume sollten Austausch und Selbsterfahrung ermöglichen, auch ohne Vorkenntnisse und -erfahrungen.

Über die Jahre ist uns beides gelungen: den Genderdiskurs im Rahmen unserer Möglichkeiten in die Öffentlichkeit zu tragen und Menschen darin zu bestärken, ihre eigene Empfindung von geschlechtlicher Identität und selbstbestimmter Sexualität jenseits äußerer Zuschreibungen zu erkunden und zu leben. All genders welcome – was heute selbstverständlich scheint, war zunächst eine ganz neue Idee. Wir wagen aber auch den Sprung in die heutigen Zeiten und wenden uns nun verstärkt an jüngere Generationen und zusätzlich marginalisierte Gruppen.
Denn das ist wohl der Kern des Drag: es geht nicht um Verkleidung, sondern um Widerstand, Verwandlung und Veränderung.

Geschrieben von Nic Dawig