Die evangelische Antoniterkirche ist eine gotische Kirche und neben dem Dom – angesichts ihrer Lage mitten in der zentralen Konsummeile – die meistbesuchte Kirche der Stadt.  Die dreischiffige, gewölbte Basilika trägt einen Dachreiter anstelle eines Turms. Sie ist auch die Taufkirche der Widerstandskämpferin Freya von Moltke. Die Figur „Der Schwebende“ von Ernst Barlach im Innenraum trägt die Gesichtszüge der Künstlerin Käthe Kollwitz.

Antoniterkirche
© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Der Antoniter-Orden baute ab 1350 ein Kloster und dazu eine dem Heiligen Antonius geweihte Kirche. 1802 bot die französische Besatzungsmacht den Kölner Protestant*innen die Antoniterkirche an, damals noch katholische Klosterkirche. Sie wurde für die Bedingungen des evangelischen Gottesdiensts umgebaut. 1942 zerstörte ein Luftangriff die Kirche, der Wiederaufbau erfolgte von 1946-1952. 

Die Politisierung der Gesellschaft ab Mitte der 60er Jahre machte auch vor der Kirche nicht Halt.  Beim 12. Evangelischen Kirchentag in Köln vertrat Dorothee Sölle in ihrem  Vortrag „Kirche ist außerhalb der Kirche“, die Position, dass Glaube und politisches Engagement untrennbar zusammen gehören.

Die Antoniterkirche wurde Veranstaltungsort des Politischen Nachtgebets, das vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs entstand und 1968 mit einem 23 Uhr-Gottes-dienst begann. Die Organisator*innen, darunter neben Dorothee Sölle bekannte Feministinnen wie Maria Mies, führten monatlich Themen-Gottesdienste auf hohem Niveau durch.  Sie positionierten sich auch außerhalb der Kirche mit medienwirksamen Aktionen, z.B. einem Schweigemarsch mit Kundgebung auf dem Neumarkt unter dem Transparent „Golgatha ist Vietnam.“ Das Politische Nachtgebet zum Thema „Frauen“ – Untertitel „Die Frau liegt immer noch unten“ – führte 1971 zur ersten dauerhaften Frauengruppe, dem Frauenforum Köln.

Das Politische Nachtgebet hatte viereinhalb Jahre Bestand, seine Nachwirkungen waren bei den Friedensgebeten der 80er Jahre in der Nikolaikirche und sind bis heute bei Kirchentagen sichtbar. Das Politische Nachtgebet inspirierte auch die Feministische Theologie und den Protest der Frauen gegen verkrustete patriarchale Strukturen in ihren Kirchen.

Autorin: Ina Hoerner-Theodor