Regina Isecke war eine der erfolgreichsten deutschen Rollstuhl- und Paralympics-Sportlerinnen der 1970er, 80er, 90er Jahre und erhielt nationale und internationale Anerkennung.

Sie war Wegbereiterin für Rollstuhlbasketball und Rollstuhltennis in Deutschland und förderte während ihrer Zeit als Sportlehrerin sowie nach ihrer Karriere als Sportprofi die Jugend.

In der Stadt Słupsk geboren, siedelte die Familie nach Köln um. Regina Isecke wuchs mit zwei Schwestern, ohne Vater, in einer Familie auf, in der die Mutter für den Unterhalt sorgte. Schon als junges Mädchen war sie sportbegeistert, dem Tennissport zugetan, hatte den Wunsch, Profitennisspielerin zu werden und trainierte   als Hochleistungssportlerin.

Im Alter von 17 Jahren geschah der Unfall, der ihr Leben, ihre sportliche Karriere als Fußgängerin, jäh beendete. Sie wurde von einem Autofahrer angefahren und fiel dabei in einer Baustelle mit dem Rücken auf einen Stahlpfeiler.  Wie sie selbst erzählte, konnte sie unmittelbar nach dem Unfall noch ihre Beine spüren und bewegen. Es wurde jedoch falsche Unfallhilfe geleistet, wodurch das Rückenmark durchtrennt wurde und sie seither Paraplegikerin war.

Dies geschah zu einer Zeit als Menschen im Rollstuhl in der Vorstellung großer Teile der Gesellschaft bestenfalls als „bemitleidenswerte Krüppel“ ihr Dasein fristeten, denen man jegliche Selbständigkeit absprach.

Rita Breuer und Regina Isecke mit Maskottchen 
Bildrechte: Rita Breuer

Zum Zeitpunkt des Unfalls war Regina Isecke bereits eine trainierte Sportlerin und wollte, wie sie selbst sagte, sofort im Krankenhaus weitertrainieren. Sie erzählte, dass sie schon im Krankenbett „mit den Ärzten stritt“, weil diese ihr das Training des Oberkörpers mit Hanteln, was sie im Bett durchführen wollte, verboten. Sie überzeugte die Ärzte, indem sie ihnen zeigte, dass sie ihren Oberkörper isoliert trainieren konnte, ohne den unteren Körperbereich zu bewegen.

Dies war der erste, aber nicht der einzige Kampf, den Isecke gegen Widerstände aufgrund von Vorurteilen, Diskriminierung und Verbohrtheit der Umwelt ausfocht in Bezug auf ein selbstbestimmtes Leben als Frau, den Rollstuhlsport und das Dasein als Person im Rollstuhl. Wenn sie über ihr Leben erzählte, sprach sie von „vor dem Unfall und nach dem Unfall“ in überzeugter Sachlichkeit und ohne Melancholie auf die Zeit vor dem traumatisierenden Einschnitt.

Nach dem Unfall absolvierte Isecke eine Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin und arbeitete am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule (DSH) in Köln. Dort kämpfte sie dafür, Sport studieren zu können, was ihr gegen Widerstände gelang. Sie war die erste Person im Rollstuhl, die an der DSH in Köln studierte und einen Abschluss als Sportlehrerin im Bereich Behindertensport machte.

Nach einem Interview im ZDF-Sportstudio, in dem Isecke Aufklärungsarbeit für den Sport im Rollstuhl leistete und bemängelte, dass es keine Arbeitsplätze für Personen im Rollstuhl im Bereich Sport gab, wurde ihr eine Stelle als Sportlehrerin an einer Schule in Köln angeboten, die es ihr erlaubte, neben der schulischen Arbeit als Leistungssportlerin zu trainieren.

1972 trug Heidelberg die Weltspiele der Gelähmten aus, an denen Isecke bereits ein Jahr nach ihrem Unfall teilnahm. Dort profilierte sie sich in verschiedenen Disziplinen und gewann Medaillen.

Ihr Hauptaugenmerk war jedoch die erste Deutsche Rollstuhlbasketball-Frauennationalmannschaft. In einem Interview sagte Isecke später, dass sie aufgrund der schlechten Rollstühle als Sportgerät keine Chance auf eine Medaille gehabt hätten. Das änderte sich und die deutsche Nationalmannschaft war jahrelang weltweit die Nummer 1. Sie gewann bei Weltmeisterschaften, Olympiaden und Länderspielen und wurde „German Fräulein Wonder“ genannt.

Länderspielreise in den 1980er Jahren nach Los Angeles. Rita Breuer mit dem Maskottchen auf dem Schoß, Nr. 6 (2. R.re) Regina Isecke, Nr.9 (1.R.re) Rita Laux

Nach einem Grund für ihren Erfolg befragt, erzählt die ehemalige Spielerin Rita Breuer:

Spielführerinnen waren Breuer, Isecke und Rita Laux. Isecke und Laux waren große (beide 1.80 m) und physisch starke Frauen, die im Rollstuhl wendig waren. Breuer war eine sehr schnelle, wendige, ballsichere Fahrerin. Bei der Ballübernahme unter dem eigenen Korb fuhr Breuer zum gegnerischen Korb, und entweder Laux oder Isecke spielten ihr weite Pässe zu, die sie dann in Korbleger umsetzte (die Körbe hängen genauso hoch wie bei Fußgängern).

Obwohl sie weltweit führend waren, schied Isecke auf eigenen Wunsch aus der Nationalmannschaft aus und wandte sich dem Rollstuhltennis zu. Endlich konnte sie ihren Kindheitstraum verwirklichen und Profitennisspielerin werden. Fortan trainierte sie Rollstuhltennis. Sie gewann 10 Deutsche Meisterschaften und krönte 1992 im Alter von 39 Jahren ihre Karriere mit der Bronzemedaille im Einzel bei den Paralympics in Barcelona.

Nach ihrer aktiven Karriere initiierte und förderte Isecke Rollstuhltennis, so dass dieser auf einer breiten Ebene in Deutschland Fuß (Rollstuhl) fassen konnte. Sie entwickelte spezielle Förderprogramme für Kinder und junge Menschen, rief die Rolli-Trainingscamps und die Rolli-Tennisturniere ins Leben. In ihrer Funktion als Trainerin arbeitete sie sowohl mit der Gold-Kraemer-Stiftung als auch mit dem Marienburger Sportclub in Köln-Rodenkirchen zusammen, der auf ihre Initiative zum ersten rheinlandweiten, offiziellen Standort wurde.

Isecke war 30 Jahre lang Hochleistungssportlerin, 16 Jahre Nationalspielerin im Rollstuhlbasketball und zehn Jahre Rollstuhltennisspielerin mit einem Weltranglistenplatz. Bei paralympischen Spielen gewann sie im Basketball 1980 und 1984 zweimal Gold, einmal Silber und als persönliche Krönung ihrer Karriere 1992 Bronze im Tennis. Sie war fünfmalige Welt- und mehrmalige Europa- und Deutsche Meisterin.

In Anerkennung ihrer außergewöhnlichen sportlichen Leistungen wurde Isecke 1984 und 1993 das höchste staatliche Ehrenzeichen, das silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, verliehen. Eine Auszeichnung, die Sportlerinnen und Sportlern für kontinuierliche Spitzenleistungen für den deutschen Sport auf nationaler und internationaler Ebene vorbehalten ist.

2025 wurde in Köln auf Initiative der Politikwissenschaftlerin Claudia Pinl und des Kölner Frauengeschichtsvereins eine Straße nach ihr benannt, die Regina-Isecke-Straße.

Auch im öffentlichen Raum stritt sie für ihre Autonomie als Rollstuhlfahrerin gegen übergriffiges Verhalten von Fußgängern. Wenn diese z.B. ihren Rollstuhl anfassten oder wegschieben wollten, wurde sie füchsinnenteufelswild. Sie vermittelte, dass Menschen im Rollstuhl zuallererst Personen sind, die einen Rollstuhl als Fortbewegungsmittel nutzen, wie andere ein Fahrrad, und nicht „Rollstühle, in denen jemand drinsitzt

Isecke lebte ein frauenbezogenes Privatleben. Neben ihrer Arbeit als Leistungssportlerin und Sportlehrerin war sie in der Kölner Frauenbewegung aktiv, engagierte sich für die Gleichbehandlung von Frauen und trainierte eine Fußgängerinnen-Basketballfrauschaft.

So selbstbewusst, konkurrenzorientiert und durchsetzungsstark sie im Sport und im Engagement für den Rollstuhlsport auch war, im Privaten zeichnete sie sich durch Großzügigkeit, Humor, Warmherzigkeit und Empathie aus.

Regina Isecke hat ihr Leben genauso gelebt, wie sie es wollte: Als Leistungssportlerin und Sportlehrerin.

Und sie trank gerne ein Gläschen Cognac und rauchte eine Zigarre!

Dr. Ulrike Gross

Quellen:

  1. Breuer, Rita. 2025. Interview mit U. Groß
  2. Deutscher BehindertenSportverband. https://www.dbs-npc.de/nachrichten/dbs-trauert-um-regina-isecke.html
  3. Isecke, Regina: Film und Interview für die Gold Krämer Stiftung, 2012. https://de.wikipedia.org/wiki/Regina_Isecke
  4. Labanowitsch, Stan/ Thiboutot, Armand „Tip“. 2011. Wheelchairs can jump. A History of Wheelchair Basketball.  Acantus Publishing: o.A.
  5. Marienburger Sportclub. https://www.msc-koeln.de/der-msc-trauert-um-regina-isecke
  6. Strohkendl, Horst. 1996. The 50th Anniversary of Wheelchair Basketball: A History. Waxmann: Münster/New York.
  7. Westermann, Daniel. 2014. Die XXI. Weltspiele der Gelähmten in Heidelberg 1972. verlag regionalkultur Heidelberg.
  8. ZDF Sportstudio, Interview mir Dieter Kürten
  9. (Erlass über die Stiftung des Silbernen Lorbeerblattes vom 24.3.1964, Bundesgesetzblatt, Seite 242 Artikel II Absatz II.)