Mariam Claren ist am 1. Juni 1980 in Teheran, kurz vor dem Ausbruch des Iran-Irak Krieges (22.9.1980-20.8.1988) geboren. Sie wuchs in einem Elternhaus auf, in dem Politik eine große Rolle spielte.
Ihre Eltern studierten in den 70er Jahren als Teil der „Konföderation Iranischer Studenten“ im Ausland (1). Ihr Vater studierte in den USA. Ihre Mutter Navid Taghavi studierte in Italien Architektur. Sie arbeitete später als freie Architektin in Deutschland. Während ihrer Studienzeit lernte sie viele Gleichgesinnte aus Frankreich und Deutschland kennen, bereiste Deutschland und fand in Köln Freunde.
Nach dem Sturz des Schahs 1979 durch die iranische Revolution kehrten Mariam Clarens Eltern, wie viele andere IranerInnen auch, zurück in den Iran.
Enttäuscht von der Machtübernahme durch den Revolutionsführer Ajatollah Ruholla Chomeni
floh Mutter Navid Taghavi mit ihrer 2jährigen Tochter ins rechtsrheinische Köln Neubrück. Der Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits bei einem Autounfall im Iran ums Leben gekommen.

Mariam Claren ist nie wieder in den Iran gereist und wuchs bei ihrer Mutter zweisprachig (Farsi/Deutsch) auf. Sie bezeichnet sich selbst als deutsch assimiliert und Atheistin. Ihre Großeltern lernte sie kennen, als diese in Köln zu Besuch waren.
Nach dem Abitur 1999 am Kaiserin-Theophanu-Gymnasium in Köln Kalk studierte sie BWL an der Universität zu Köln. Ihren ursprünglichen Wunsch, Jura zu studieren, (das Strafrecht interessierte sie sehr), ließ sie nach enttäuschenden Schnuppervorlesungen während der Schulzeit fallen.
Schon im Hauptstudium spezialisierte sie sich auf „Marketing“ und jobbte ab 2002 in einer Werbeagentur. Um ihre Kenntnisse in Werbung und Marketing zu vertiefen, besuchte sie im Anschluss zwei Jahre lang die „Westdeutsche Akademie für Kommunikation (WAK)“ in Köln-Bayenthal. Dort machte sie 2004 als Jahrgangsbeste ihren Abschluss.
Mariam Clarens berufliche Karriere lässt sich in drei Etappen untergliedern. Im Zentrum standen auf unterschiedliche Weise Kommunikation und Marketing; in den letzten – politisch geprägten – Jahren vermarktet sie nach eigenen Angaben „Menschenrechte“.
In der ersten Etappe arbeitete Mariam Claren mit viel Spaß 13 Jahre lang in einer großen Werbeagentur in Köln-Zollstock. Diese Branche zeichnet sich auch durch harte Budget-Kämpfe aus, es sei eine sehr harte, taffe Tätigkeit. Ihre Kunden kamen vor allem aus der Telekommunikationsbranche.
In der zweiten Etappe wechselte Mariam Claren als Managerin auf die Unternehmerinnenseite. Sie wurde Leiterin des Point-of-Sales Marketings und Veranstaltungsmanagements
bei Jacques’ Weindepot in Düsseldorf. Sie beschreibt diesen Job als sicher und die Zeit dort als „wundervoll“. 2020 war ein besonderes Jahr, denn durch die Corona-Pandemie machte der Weinhandel erhebliche Gewinne. “Die Läden blieben auf und es wurde ohne Ende konsumiert“.

Am 16.10.2020 wurde Mariams Mutter Nahid Taghavi als politische Gefangene im Teheraner Gefängnis Evin als politische Gefangene inhaftiert. Aus dem normalen Arbeitsmodus geriet Mariam Claren in den Krisenmodus, der bis heute anhält. Für sie war klar: „Ich musste meine Mutter befreien“.
Dies schaffte sie im Januar 2025. Ihre Mutter kam nach vier Jahren zurück nach Köln.
Diese Erfahrung führten zu ihrer dritten beruflichen Etappe. Mariam Claren tauchte mit einem deep dive tiefgründig in das politische System des Iran ein und erforschte, wie es zu politischen Gefangenen kommt, wie das iranische System funktioniert.
Durch Diskussionen mit der Familie im Iran, ihrem eigenen Freundeskreis und dem der Mutter über die Inhaftierung ihrer Mutter und Schlüsse, die daraus zu ziehen sind, wuchs Mariam in ihren „Menschrechts- und Iran-Aktivismus“, hinein. Dabei wurde sie von Menschenrechtsorganisationen wie amnesty international und Hawar help unterstützt.
Mariam Claren rief die Kampagne „Free Nahid“ ins Leben. Ihr Name steht im Lobbyregister des Bundestages; als Interessenvertreterin versucht sie Aufmerksamkeit zu erzielen, z. B. durch Aktivierung von PolitikerInnen.
Im September 2022 gab es die „Frau-Leben-Freiheit“ Proteste im Iran. Sie entfachten die Hoffnung, dass über die Befreiung der Gefangenen hinaus auch ein Sturz des Systems möglich werden könnte. „Wenn das System stürzt, kommen alle frei.“ Mit zwei anderen Iran-Aktivistinnen entwickelte Mariam Claren im Oktober 2022 ein Patenschaftsprogramm für politische Gefangene im Iran. In wenigen Wochen hatten sie 300 Abgeordnete aus dem Bundestag und Landtag gefunden, die Patenschaften übernahmen, indem sie auf ihren eigenen sozialen Kanälen und Medien über politische Gefangene berichteten.
Das dieses Programm immer größere Dimensionen annahm, bat sie Düzen Tekkal, eine der fünf Gründerinnen (5 Schwestern) von HÁWAR.help, das Patenschaftsprogramm in die Strukturen von HÁWAR.help zu integrieren. Ihr Werben war erfolgreich.
Im März 2023 beendete Mariam Claren schweren Herzens ihren Job bei Jacques` Weindepot. Ihre bislang ehrenamtliche Tätigkeit wurde mit Einverständnis von Düzen Tekkal in eine hauptamtliche Vollzeittätigkeit bei HÁWAR.helpumgewandelt. Sie übernahm den Aufbau des Iran-Programms, später auch des Syrien-Programms von HÁWAR.help.
Arbeit bei HÁWAR.help heißt: viel Lobbyarbeit, Treffen mit Betroffenen, die aus dem Iran geflüchtet sind, Treffen mit Politikern. Das Hauptbüro ist in Berlin. Sie arbeitet viel online und pendelt oft zwischen Köln und Berlin.
HÁWAR.help: „…steht für: eine Welt, in der Menschenrechte und insbesondere Frauenrechte geschützt sind und jeder Mensch mit Würde und Respekt behandelt wird“. Es ist eine Organisation…“ die auf der Asche des Völkermords an den Jesiden gegründet wurde…“
Was braucht man, um diese Arbeit zu machen? Mariam Claren sagt: „vor allem Resilienz, um das Leiden von morgens bis abends aushalten zu können.“ Sie sichtet Menschenrechtsverbrechen, dokumentiert sie und setzt sie in eine „fassbare“ Sprache für die deutsche Öffentlichkeit und Politiker um. Mariam Claren fühlt sich in einem Top-Team, innerhalb eines guten Netzwerkes. Sie glaubt an die Sinnhaftigkeit ihres Tuns und hofft vor allem auf Freiheit.
Im Jahr 2023 erhielt Narges Mohammadi den Friedensnobelpreis für „ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und ihren Kampf für die Unterstützung der Menschenrechte und der Freiheit für alle“ (2). Mariam Claren war Teil einer Delegation aus dem engsten Familien- und Freundeskreis, die in Oslo den Preis entgegennahmen. Narges Mohammadi war im Teheraner Gefängnis mit ihrer Mutter Nahid Taghavi befreundet.
Trotz ihres starken Engagements mit viel „Herzblut“, pflegt Mariam Claren Freundschaften, fährt in Urlaub, hat einen Hund. Sie isst gesund, genießt Wein und versucht, im Leben eine gute Balance zu halten und alles nicht zu sehr an sich heranzulassen. Ihr hilft, darüber im Privaten zu reden. Mariam Claren weiß, dass ihr Privatleben jederzeit unter ihrem Engagement leiden kann; gegebenenfalls müsse sie sich zurückziehen und ihrer Arbeit online nachgehen. Sie hat eine Warnung vom Verfassungsschutz bekommen, sie müsse aufpassen. Keine Urlaube aus der EU heraus, nicht in Richtung arabischer Länder, auch nicht darüber fliegen.
Auf ihren sozialen Medien hat sie eine hohe Zahl von Followern und achtet verantwortungsbewusst auf ihre Wortwahl. Anders als früher, geht sie heute Diskussionen nicht mehr aus dem Weg, wenn es um Migrationspolitik oder Menschenrechte geht. Seitdem ihre Mutter 2025 aus dem Gefängnis befreit ist, fühlt Claren sich freier in ihrem Tun, da ihre Mutter nichts mehr vom iranischen System zu fürchten hat, auch wenn es noch lebende Brüder der Mutter im Iran gibt.
Pläne und Visionen: Zurzeit sieht sie für sich nur die Option, weiterzumachen. Falls es zu einem Sturz im Iran kommen sollte, gäbe es auch in der Phase nach der Diktatur viel zu tun, vor allem, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Niemand weiß, was die Zukunft bringt.
Autorin: Gabriele Grewe – nach einem Online-Interview mit Mariam Claren am 10. April 2026.
Quellen
- Konföderation Iranischer Studenten, laut Wikipedia: ….die Konföderation Iranischer Studenten war eine der bedeutsamsten Gruppierungen der iranischen Opposition gegen Schah Mohammad Reza Pahlavi in Europa und den USA.
- Narges Mohammadi – Wikipedia